Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der CLARITY Act, den das US-Repräsentantenhaus im Juli 2025 mit breiter Mehrheit verabschiedete, sollte regulatorische Klarheit für den Krypto-Markt schaffen. Doch im Senat ist das Gesetz an einem Grundsatzkonflikt hängengeblieben: Dürfen Stablecoin-Anbieter ihren Kunden Renditen zahlen, oder bleibt dieses Geschäft den Banken vorbehalten? Um den Streit zu lösen, lud das Weisse Haus beide Seiten zu Verhandlungen ein. Drei Treffen innerhalb von 17 Tagen brachten jedoch kein Abkommen. Beim dritten Meeting diese Woche legte Patrick Witt, Executive Director des President’s Council for Digital Assets, einen eigenen Gesetzesentwurf vor. Das Ergebnis fällt klar zugunsten der Banken aus: Passive Renditen auf ruhende Stablecoin-Guthaben sollen verboten werden. Der Hintergrund ist eine Angst vor Kapitalflucht – traditionelle Sparkonten bieten 0.1 bis 0.5 Prozent Zinsen, während Stablecoin-Plattformen 3 bis 5 Prozent zahlen. Statt ihr Angebot zu verbessern, wählen die Banken den politischen Weg. Die Deadline für eine Einigung liegt Ende Februar.
Passive Stablecoin-Renditen sind vom Tisch: Die Krypto-Industrie verliert den Zinskrieg gegen die Bankenlobby im CLARITY Act.
Abu Dhabi vertieft Krypto-Engagement
Die Mubadala Investment Company, einer der grössten Staatsfonds Abu Dhabis, hat ihre Position im BlackRock IBIT Bitcoin ETF im vierten Quartal 2025 um 46 Prozent aufgestockt. Bemerkenswert daran: Mubadala kaufte in eine Phase fallender Kurse hinein, denn Bitcoin verlor im selben Zeitraum rund 23 Prozent. Zusammen mit der Schwestergesellschaft Al Warda Investments, einer Tochter des Abu Dhabi Investment Council, überschritt die kombinierte Position erstmals die Marke von 1 Milliarde Dollar. Dass gleich zwei staatliche Akteure derart aggressiv nachkaufen, ist Teil einer breiteren Entwicklung: Laut den Q4-Filings stieg die Zahl institutioneller Bitcoin-ETF-Halter um 27 Prozent auf 1’694, Banken steigerten ihre Bestände sogar um 104 Prozent. Abu Dhabi positioniert sich dabei gezielt als Krypto-Hub – die VAE befreiten virtuelle Assets von der Mehrwertsteuer und vergaben Handelslizenzen an Firmen wie den Vermögensverwalter BlackRock.
Abu Dhabi Staatsfonds Mubadala stockte seine Bitcoin-ETF-Bestände auf, zusammen mit Al Warda hält Abu Dhabi über 1 Mrd. in IBIT.
Goldman-Sachs-CEO hält Bitcoin
David Solomon, CEO der US-Investmentbank Goldman Sachs, gab beim World Liberty Forum in Mar-a-Lago erstmals öffentlich zu, dass er Bitcoin besitzt. Der langjährige Krypto-Skeptiker bezeichnete seine Position als sehr klein. Doch noch im Juli 2024 nannte er Bitcoin ein rein spekulatives Investment – im Januar 2025 stellte er klar, Goldman Sachs könne Bitcoin weder besitzen noch handeln. Der Wandel ist inzwischen unübersehbar: Per Ende 2025 hielt Goldman Sachs rund 2.36 Milliarden Dollar in Krypto-ETFs, darunter erstmals auch Positionen in XRP- und Solana-ETFs. Solomon treibt die Transformation über dedizierte Teams für Tokenisierung und Stablecoin-Technologie voran. Der persönliche Kauf reiht sich in eine breitere Bewegung der Wall Street ein – auch JPMorgan-Chef Dimon, der Bitcoin 2017 als „Betrug“ bezeichnete, kündigte im Mai 2025 Bitcoin-Handel für Kunden an.
Goldman Sachs CEO David Solomon besitzt Bitcoin. Beim World Liberty Forum bestätigt er den Wandel der Investmentbank hin zu Krypto-Assets.
Rund um die Uhr Krypto-Handel an der CME
Die CME Group, der weltweit grösste Terminbörsenkonzern, öffnet ihren Krypto-Futures-Handel ab Ende Mai rund um die Uhr. Erstmals können institutionelle Investoren Bitcoin- und Ethereum-Derivate an sieben Tagen pro Woche über die regulierte Plattform CME Globex handeln. Auch Futures auf Cardano, Chainlink und Stellar gehören zum Angebot. Der Schritt schliesst eine strukturelle Lücke: Während digitale Assets auf Spot-Börsen bereits rund um die Uhr gehandelt werden, operieren regulierte Derivatemärkte bislang nach traditionellen Handelszeiten. Für die CME ist es die jüngste Stufe einer schrittweisen Annäherung an den Krypto-Markt, die 2017 mit Bitcoin-Futures begann. Die Nachfrage ist vorhanden – 2025 erreichten Krypto-Derivate auf der CME ein notionales Volumen von 3 Billionen Dollar, das tägliche Handelsvolumen stieg 2026 um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Sprung zum 24/7-Handel markiert eine Abkehr von der Struktur traditioneller Anlageklassen.
CME Group startet 24/7-Handel für Krypto-Futures und -Optionen. Das notionale Volumen erreichte 2025 rund 3 Billionen USD.
Ethereum-Treasury-Unternehmen unter Druck
Ausserdem: Der Risikokapitalgeber Founders Fund von Milliardär Peter Thiel hat seine gesamte Beteiligung an der Ethereum-Treasury-Firma ETHZilla abgestossen. Per Ende 2025 hielt der Fonds null Aktien, nachdem er im August 2025 mit rund 11.6 Millionen Aktien im geschätzten Wert von 40 Millionen Dollar eingestiegen war. Der Zeitpunkt ist bezeichnend: Die ETHZ-Aktie fiel von einem Höchststand bei 107 Dollar auf rund 3.20 Dollar – ein Verlust von 97 Prozent. ETHZilla, ursprünglich ein Biotech-Unternehmen namens 180 Life Sciences, hatte sich nach dem Vorbild von MicroStrategy zur Ethereum-Treasury gewandelt und über 580 Millionen Dollar aufgenommen. Doch die Strategie ging nicht auf: ETH verlor im vierten Quartal 2025 rund 28 Prozent, ETHZilla musste Bestände im Wert von 114.5 Millionen Dollar liquidieren. Inzwischen schwenkt das Unternehmen auf RWA-Tokenisierung um. Thiels schneller Ausstieg wirft ein Schlaglicht auf die Fragilität des Treasury-Modells.
Peter Thiels Founders Fund hat seinen gesamten ETHZilla-Anteil nach nur vier Monaten und einem Peak-Kursverlust von 97 Prozent verkauft.









