Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Bitcoin fiel diesen Freitag auf 60’033 Dollar – ein Tagesverlust von fast 14 Prozent und der schwerste Einbruch seit dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX im November 2022. Seit dem Allzeithoch über 127’000 Dollar im Oktober 2025 hat sich der Kurs damit mehr als halbiert und sämtliche Gewinne seit Donald Trumps Wahlsieg im November 2024 ausradiert. Allein am Donnerstag verlor der gesamte Kryptomarkt rund 350 Milliarden Dollar an Wert, während gehebelte Positionen im Umfang von 2.58 Milliarden Dollar liquidiert wurden – 82 Prozent davon Long-Positionen. Über 530’000 Händler waren von Zwangsschliessungen betroffen. Verschärft wird die Lage durch anhaltende Abflüsse aus US-Bitcoin-Spot-ETFs: Allein in zwei Wochen zogen Anleger 2.8 Milliarden Dollar ab. Im Hintergrund belastet die geldpolitische Unsicherheit. Die US-Notenbank hält die Zinsen bei 3.50 bis 3.75 Prozent, und der bevorstehende Abgang von Fed-Chef Powell im Mai 2026 erschwert die Aussicht auf baldige Lockerungen.
Bitcoin Crash auf 60’000 USD löscht Trump-Rally komplett aus. ETF-Abflüsse, Milliarden-Liquidationen und Krypto-Winter-Signale im Überblick.
Strategy: 12.6 Milliarden Dollar Quartalsverlust durch Bitcoin-Bestände
Der grösste börsennotierte Bitcoin-Investor, Strategy (ehemals MicroStrategy), hat für das vierte Quartal 2025 einen Nettoverlust von 12.6 Milliarden Dollar ausgewiesen – nahezu vollständig verursacht durch unrealisierte Verluste auf seine Bitcoin-Bestände. Die Aktie verlor am Tag der Bekanntgabe weitere 17 Prozent. Der Hintergrund: Strategy hatte im vierten Quartal so aggressiv zugekauft wie nie und 218’887 Bitcoin für 20.5 Milliarden Dollar erworben. Insgesamt hält das Unternehmen nun 713’502 Bitcoin mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 76’052 Dollar pro Coin. Beim aktuellen Kurs von über 8 Milliarden Dollar. CEO Phong Le relativierte die Lage: Bitcoin müsste auf 8’000 Dollar fallen und dort fünf bis sechs Jahre verharren, bevor die Bedienung der Wandelanleihen gefährdet wäre. Trotzdem ist die Fallhöhe beträchtlich. Die MSTR-Aktie hat seit ihrem Höchststand bei 540 Dollar im November 2024 rund 75 Prozent eingebüsst und notiert mit einer Marktkapitalisierung von 32.1 Milliarden Dollar erstmals unter ihrem Buchwert.
Strategy meldet 12.6 Milliarden Dollar Verlust im Q4 2025. Der grösste korporative Bitcoin-Halter kämpft mit dem jüngsten Kurseinbruch.
Epstein-Akten enthüllen Bitcoin-Vernetzungen
Neu veröffentlichte Akten des US-Justizministeriums zeigen, dass der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ab 2014 gezielt in zentrale Bitcoin-Infrastruktur investierte. Über das Investmentvehikel Kyara Investments III, das er gemeinsam mit Joi Ito, dem damaligen Direktor des MIT Media Lab, betrieb, flossen 500’000 Dollar in das Bitcoin-Unternehmen Blockstream. Weitere 525’000 Dollar gingen an die MIT Digital Currency Initiative, die nach dem Kollaps der Bitcoin Foundation 2015 drei der wichtigsten Bitcoin-Core-Entwickler übernahm. Parallel investierte Epstein über die Zweckgesellschaft IGO Company drei Millionen Dollar in die Kryptobörse Coinbase. Der strategische Zugang funktionierte über Itos Netzwerk, zu dem LinkedIn-Gründer Reid Hoffman und weitere Tech-Grössen gehörten. Für die Bitcoin-Community ist die Offenlegung brisant, weil Epsteins Gelder Schlüsselpositionen der Protokollentwicklung berührten. Die Akten liefern allerdings keine Hinweise darauf, dass Epstein direkt Einfluss auf den Bitcoin-Code oder technische Entscheidungen genommen hat – der quelloffene Peer-Review-Prozess von Bitcoin Core blieb offenbar unabhängig.
Epstein Files zeigen dokumentierte Epstein Bitcoin Verbindung: Blockstream-Investment und 525’000 USD für MIT Digital Currency Initiative.
Verhandlungen zum Clarity Act scheitern
Das letzte Woche angekündigte Vermittlungstreffen im Weissen Haus hat stattgefunden – und ist gescheitert. Über zwei Stunden verhandelten Vertreter der Krypto-Industrie, darunter Coinbase, Circle und Ripple, mit Bankenlobbyisten unter Leitung von Patrick Witt, dem Exekutivdirektor des präsidialen Beratergremiums für digitale Vermögenswerte. Ohne Ergebnis. Der Kernkonflikt bleibt derselbe: Paragraf 404 des CLARITY Act verbietet Krypto-Plattformen, Zinsen „ausschliesslich im Zusammenhang mit dem Halten von Zahlungs-Stablecoins“ auszuzahlen. Die Bankenlobby sieht darin ein Schlupfloch, da Plattformen wie Coinbase über Belohnungsprogramme bis zu 4.5 Prozent Rendite bieten – ein Vielfaches des durchschnittlichen US-Sparzinses. Über 3’200 Banker haben eine Petition gegen diese Praxis unterzeichnet. Das Weisse Haus hat nun eine neue Frist gesetzt: Bis Ende Februar müssen beide Seiten einen gemeinsamen Gesetzestext vorlegen, andernfalls bleibt der CLARITY Act im Bankenausschuss des Senats bis auf Weiteres blockiert. Die Umsetzung in diesem Jahr wird immer unwahrscheinlicher.
White House Treffen zu Stablecoin Zinsen endet ohne Einigung: Banken und Krypto-Industrie streiten weiter um den CLARITY Act.
UBS legt Schwerpunkt auf Tokenisierung
Ausserdem: Die grösste Schweizer Bank positioniert sich bewusst nicht als Pionierin in der Blockchain-Welt, sondern als schnelle Nachahmerin. CEO Sergio Ermotti erklärte diese Woche im Rahmen der Quartalszahlen, die UBS wolle bei Tokenisierung und digitalen Vermögenswerten „gezielt folgen statt vorangehen“. Bei 6.6 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen hat diese Haltung Gewicht. Konkret bietet die Bank wohlhabenden Privatkunden seit Januar Zugang zu Bitcoin und Ethereum an, hat mit uMINT einen tokenisierten Geldmarktfonds auf Ethereum lanciert und betreibt mit UBS Digital Cash eine Blockchain-basierte Zahlungslösung für Unternehmen. Der vorsichtige Kurs markiert dennoch eine deutliche Kehrtwende: Der frühere Verwaltungsratspräsident Axel Weber hatte Bitcoin noch als Blase mit „zentralem Designfehler“ bezeichnet und Kunden aktiv von digitalen Anlagen abgeraten. Doch der Wettbewerbsdruck lässt wenig Spielraum für Ideologie – drei Kantonalbanken, die PostFinance, BlackRock, Morgan Stanley und JPMorgan wie auch viele weitere bieten längst Krypto-Dienstleistungen an. Die Fast Follower-Rhetorik verschleiert somit eine strategische Notwendigkeit.
UBS setzt laut Ermotti auf Fast-Follower-Strategie bei Tokenisierung. Die Bank baut Krypto-Angebote für Privatkunden nur langsam aus.







