Bitcoin erreichte mit rund 72'900 USD den tiefsten Stand seit 15 Monaten. Damit notiert die grösste Kryptowährung erstmals wieder auf dem Niveau der US-Wahlnacht im November 2024, als Trumps Sieg den Kurs innert zwei Tagen von 69'000 auf über 89'000 USD katapultierte.
Die gesamte "Trump-Prämie" ist nun ausradiert. Der Rückgang beschleunigte sich Ende Januar. Allein am 31. Januar verlor Bitcoin 10 Prozent an einem einzigen Tag, begleitet von Liquidationen im Umfang von über 2 Milliarden USD. Insgesamt fiel der Kurs innerhalb einer Woche um mehr als 15 Prozent. Nun handelt Bitcoin bei rund 76'400 USD nach einer zwischenzeitlichen Erholung.
Liquidationen und ETF-Abflüsse verstärken den Abverkauf
Der Crash löste eine Kaskade erzwungener Verkäufe aus. Am 1. Februar liquidierten die Börsen über 2 Milliarden USD an Krypto-Positionen - eines der grössten Liquidationsereignisse der Branchengeschichte. Zwei Tage später folgten weitere 740 Millionen USD, davon 287 Millionen USD allein in Bitcoin-Long-Positionen. Denn der grösste Preisrutsch ereignete sich am Wochenende bei dünner Liquidität, als Stop-Loss-Orders algorithmisches Verkaufen auslösten.
Gleichzeitig zogen institutionelle Anleger Kapital aus Bitcoin-Spot-ETFs ab. Innerhalb von zwei Wochen flossen 2.8 Milliarden USD aus den Fonds. Am 29. Januar verzeichneten die ETFs Rekord-Outflows von 818 Millionen USD, gefolgt von 510 Millionen USD am Folgetag. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) allein verlor 528 Millionen USD. Die durchschnittliche Cost Basis der ETF-Bestände liegt bei rund 84'000 USD. Bei einem Kurs von 73'000 USD befinden sich somit 62 Prozent des investierten Kapitals im Verlust.

Makrofaktoren setzen Krypto-Markt unter Druck
Mehrere Faktoren trafen gleichzeitig zusammen. Die US-Notenbank hielt am 28. Januar den Leitzins bei 3.50 bis 3.75 Prozent. Fed-Chef Powell signalisierte, er sei "nicht in Eile zu senken". Hohe Inflationsdaten verzögerten die Erwartungen an Zinssenkungen zusätzlich. Und ein stärkerer US-Dollar reduzierte die Attraktivität risikobehafteter Anlagen.
Dazu kam ein US Government Shutdown ab dem 31. Januar, ausgelöst durch einen Streit über Einwanderungspolitik und Ausgaben des Department of Homeland Security. Bitcoin fiel während des Shutdowns auf 73'100 USD. Erst am 3. Februar unterzeichnete Trump ein Finanzierungspaket. Das Repräsentantenhaus stimmte mit 217 zu 214 Stimmen zu. Trumps Zolldrohungen von 25 bis 60 Prozent auf Autos, Pharmazeutika und Halbleiter belasteten die Märkte ebenfalls. So verlor der S&P 500 rund 1.4 Prozent, der Nasdaq 2.2 Prozent.
Entsprechend fiel der Fear & Greed Index auf 20 bis 25 Punkte und signalisiert "Extreme Fear". Insgesamt verlor der Krypto-Markt fast 500 Milliarden USD an Marktkapitalisierung innerhalb einer Woche. Ethereum brach um 26 Prozent ein, XRP verlor 17 Prozent und Solana gab 7 Prozent ab.
Gold steigt, Bitcoin fällt: Narrativ des "digitalen Goldes" bröckelt
Während Bitcoin abstürzte, näherte sich Gold der Marke von 5'600 USD pro Unze und markierte ein Rekordhoch. Gold legte während der geopolitischen Spannungen um 8.6 Prozent zu, Bitcoin hingegen verlor 6.6 Prozent. Das Narrativ von Bitcoin als "digitalem Gold" und Inflationsschutz verliert an Überzeugungskraft.
Stattdessen verhält sich Bitcoin zunehmend wie eine Tech-Aktie. Die 30-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq 100 lag im Januar 2026 bei 0.80. Galaxy Digitals Head of Research Alex Thorn sieht keine Belege für eine Rolle als Wertaufbewahrungsmittel.
"Es gibt wenig Beweise für signifikante Akkumulation. Bitcoin hat es versäumt, Gold und Silber als Debasement-Hedge zu folgen." - Alex Thorn, Head of Research, Galaxy Digital
Technische Signale deuten auf weiteres Abwärtspotenzial
Bitcoin verlor bereits im November 2025 den 50-Wochen-Moving-Average. In früheren Zyklen folgte auf diesen Bruch oft ein Rückgang zum 200-Wochen-Moving-Average. Dieser liegt derzeit bei rund 58'000 USD. Zwischen 70'000 und 80'000 USD existiert eine signifikante Angebotslücke, die hohe Volatilität begünstigt.









