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    Cboe lanciert Prediction Markets mit binären Optionen auf den S&P 500 im SEC-Rahmen und tritt damit gegen Kalshi und Polymarket an.

    Cboe bringt Prediction Markets in den S&P-500-Handel

    von Redaktion cvj.ch am 24. Juni 2026 News

    Cboe Global Markets hat am 23. Juni 2026 „Cboe Predicts" lanciert, eine Suite binärer Optionskontrakte auf den Mini-S&P 500. Damit bringt der Betreiber das Format der Cboe Prediction Markets erstmals in den regulierten US-Optionsmarkt.

    Prediction Markets sind handelbare Kontrakte, bei denen Teilnehmer auf den Ausgang eines konkreten Ereignisses setzen, wobei die Auszahlung binär ausfällt: alles oder nichts. Cboe überträgt dieses Prinzip nun auf einen Börsenindex statt auf politische oder sportliche Ereignisse. Das Unternehmen gilt heute als grösster Betreiber nach Handelsvolumen und gründete sich ursprünglich 1973 als erste börsennotierte Optionsbörse der Welt. „Cboe Predicts" erweitert zudem die bestehende SPX- und XSP-Optionssuite, insbesondere die populären 0DTE-Produkte. Zum Start handeln zunächst zwei Ticker, XSPBW und XSPBX, auf den Mini-S&P 500, der einem Zehntel des vollen SPX entspricht. Das zentrale Clearing übernimmt schliesslich die Options Clearing Corporation (OCC).

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    Binäre Auszahlung im Mini-Format: wie Cboe Predicts funktioniert

    Die Kontrakte basieren auf dem XSP, einer auf ein Zehntel verkleinerten Variante des S&P-500-Index, die gezielt für Retail-Anleger konzipiert wurde. Die Auszahlungslogik ist dabei denkbar einfach. Wer mit seiner „Ja"- oder „Nein"-Position richtig liegt, erhält 100 USD pro Kontrakt, andernfalls verfällt der Einsatz auf 0 USD. Die beiden Ticker stehen jedoch für zwei Produktvarianten: Eine bildet die strikt binäre Auszahlung ab, die andere erlaubt Teilauszahlungen innerhalb definierter Kursbänder. Damit lässt sich eine Markterwartung zum Indexstand in ein klar begrenztes Ergebnis übersetzen.

    Der Retail-Fokus ist kein Zufall, sondern knüpft direkt an einen bestehenden Trend an. Cboes 0DTE-Optionen mit Verfall am selben Handelstag sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen und machen zeitweise über die Hälfte des täglichen SPX-Optionsvolumens aus. „Cboe Predicts" vereinfacht somit diese Dynamik für neue Marktteilnehmer, die mit klassischen Optionsstrategien wenig vertraut sind. Begleitend bietet das Cboe The Options Institute Bildungsressourcen und Kurse zu den neuen Produkten an. Ferner sieht die Roadmap künftig XSP-Vertical-Spreads über das proprietäre „Quoted Spread Book"-Framework vor.

    „Cboes S&P-500-Optionssuite hat Händlern seit langem die Flexibilität geboten, ihre Ergebnisse über klassische Optionsstrategien zu gestalten. Mit Cboe Predicts erweitern wir diese Auswahl, indem wir einfache Ja-oder-Nein-Auszahlungskontrakte anbieten." - JJ Kinahan, Head of Retail Expansion and Alternative Investment Products, Cboe Global Markets

    SEC statt CFTC: Cboes regulatorischer Seitenschritt

    Der entscheidende Unterschied zur Konkurrenz liegt in der rechtlichen Einordnung. „Cboe Predicts"-Kontrakte sind Security-Optionen und handeln also im selben regulatorischen Rahmen wie US-gelistete Optionen, somit unter Aufsicht der SEC. Damit unterscheiden sie sich fundamental von den Event-Contracts bei Kalshi und Polymarket, die hingegen unter CFTC-Aufsicht als Futures-Exchange operieren. Für Cboe ist dieser Ansatz keine Ausnahme, sondern bekannte Standard-Infrastruktur, da das Clearing über die OCC im etablierten Optionsmarkt verankert bleibt.

    Das regulatorische Umfeld für Prediction Markets ist derweil unübersichtlich. Die CFTC zog zunächst im Februar 2026 einen älteren Regelentwurf zurück und folgte im März mit einer Staff Advisory sowie einem Advance Notice of Proposed Rulemaking. Schliesslich veröffentlichte die Behörde im Juni 2026 einen formellen Regelvorschlag, der nun 45 Tage zur öffentlichen Kommentierung offensteht. Gleichzeitig eskaliert ein Kompetenzstreit zwischen Bund und Einzelstaaten. Wisconsin verklagte im April 2026 Kalshi, Coinbase, Polymarket, Robinhood und Crypto.com wegen angeblich unlizenzierten Glücksspielbetriebs, woraufhin die CFTC ihrerseits gegen Wisconsin und New York vorging, um ihre Bundeszuständigkeit durchzusetzen. Minnesota verabschiedete ferner als erster Bundesstaat ein Verbot von Prediction Markets. Hinzu kommt eine erste Durchsetzungsklage der CFTC wegen Insider-Tradings im Event-Contract-Bereich.

    Genau diesem Geflecht weicht Cboe bewusst aus. Indem der Betreiber seine Kontrakte als Security-Optionen strukturiert, umgeht er den ungelösten Jurisdiktionsstreit zwischen CFTC und Einzelstaaten vollständig. Für Marktteilnehmer bedeutet das daher keine neue regulatorische Unsicherheit, sondern ein vertrautes Framework mit etablierten Schutzmechanismen und zentralem Clearing.

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    Schwab als Distributionskanal: 35 Millionen Konten als Massstab

    Zum Start sind die Kontrakte ausschliesslich über Interactive Brokers handelbar. In den kommenden Monaten soll jedoch Charles Schwab folgen, ein Broker mit mehr als 35 Mio. aktiven Konten und verwalteten Kundengeldern im Billionenbereich. Weiterhin sind weitere Retail-Brokerage-Plattformen geplant, womit die Reichweite des Produkts massgeblich von der Breite dieser Distributionspartnerschaften abhängt.

    Schwabs Einstieg ist dabei mehr als ein reiner Vertriebsdeal. CEO Rick Wurster hatte sich bis zuletzt offen skeptisch gegenüber Prediction Markets geäussert, weshalb die Partnerschaft mit Cboe als Signal für die Mainstream-Ankunft des Formats zu lesen ist. Der gewählte Weg steht zudem im Kontrast zum bestehenden Modell, denn Robinhood, Interactive Brokers und Coinbase leiten Prediction-Market-Orders bislang an Kalshi weiter. Analysten verweisen allerdings darauf, dass diese Märkte aktuell die Handelsumsätze von Robinhood und Coinbase im schwachen Krypto-Umfeld stützen.

    Der Markt, in den Cboe einsteigt: monatlich 31 Milliarden Dollar Volumen

    Das Timing des Markteintritts erklärt sich aus einer steilen Wachstumskurve. Das kombinierte monatliche Handelsvolumen von Polymarket und Kalshi stieg von unter 5 Mrd. USD im September 2025 auf rund 24 Mrd. USD im April 2026. Den bisherigen Höchststand markierte laut Binance Research der Mai 2026 mit 31.2 Mrd. USD, wovon 58 Prozent auf Kalshi und 28 Prozent auf Polymarket entfielen. Zuvor hatte die Branche im März 2026 bereits einen Monatsrekord von 25.7 Mrd. USD verzeichnet, bei einem Gesamtvolumen von über 63 Mrd. USD für das Jahr 2025. Kumuliert kommen beide Plattformen inzwischen auf ein Lifetime-Volumen von 150 Mrd. USD. Zur Einordnung: Das monatliche Volumen der legalen US-Sportwetten lag 2025 vergleichsweise bei rund 14 Mrd. USD.

    Kalshi hat sich in diesem Segment als dominanter Spieler etabliert und hält einen Marktanteil von 52.6 Prozent im US-Geschäft. Die Plattform erreichte zuletzt eine Bewertung von 22 Mrd. USD nach einer Finanzierungsrunde von 1 Mrd. USD unter Führung von Coatue Management und kommt auf ein annualisiertes Handelsvolumen von 178 Mrd. USD, das sich in sechs Monaten mehr als verdreifachte. Das institutionelle Handelsvolumen legte im selben Zeitraum ebenfalls um 800 Prozent zu. Polymarket bildet hingegen den globalen Kontrast mit einem 30-Tage-Volumen von 9.7 Mrd. USD, wobei die separate, CFTC-regulierte US-Plattform im April 2026 lediglich 1.3 Mrd. USD erreichte.

    Der Krypto-Bezug bleibt strukturell verankert, denn Polymarket läuft auf der Polygon-Blockchain mit Settlement in USDC und beherbergt über 5'400 aktive Krypto-Märkte. Ökonomen betrachten Prediction Markets zudem seit Hayek als effizientes Instrument der Informationsaggregation, das verstreutes Wissen in einem einzigen Preissignal bündelt. Dass mit Cboe nun ein TradFi-Schwergewicht das von Krypto-nativen Plattformen geprägte Format übernimmt, folgt letztlich einem bekannten Muster der Institutionalisierung. Nicht der Wettbewerb steht dabei im Vordergrund, sondern die Überführung einer neuen Produktkategorie in regulierte Infrastruktur.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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