Marc Syz und Richard Byworth haben die Genfer Privatbank Syz Capital im November 2025 verlassen. Der Verwaltungsrat widerrief die Genehmigung, ein Bitcoin-Treasury-Unternehmen innerhalb der Bankgruppe aufzubauen. Das Vorhaben sei zu riskant, befand das Gremium.
Seitdem haben die beiden Syz Capital den Rücken gekehrt. Gemeinsam mit Blockstream-CEO Adam Back gründeten sie die Future Holdings AG. Konkret streben sie ein börsennotiertes Bitcoin-Treasury-Vehikel mit Schweizer Sitz an. Über die schwedische H100 Group geht das Konstrukt an den Markt. Mittelfristig planen sie ein Listing an der SIX Swiss Exchange.
Familiendynastie im Krypto-Konflikt
Banque Syz gehört zu den etablierten Genfer Privatbanken. Eric Syz gründete das Institut 1996, zusammen mit Alfredo Piacentini und Paolo Luban. Die Syz Group verwaltet heute rund CHF 25.8 Mrd., davon CHF 14.3 Mrd. in der Bankeinheit. Der Nettogewinn lag 2024 bei CHF 7.6 Mio. Mit einer CET1-Quote von 25.6 Prozent steht die Gruppe solide da für eine Privatbank dieser Grösse.
Marc Syz, Sohn des Gründers, baute ab 2018 den Alternative-Investment-Arm Syz Capital auf. Die Einheit verwaltete zuletzt rund CHF 2 Mrd. Anfang 2025 lancierte sie den BTC Alpha Fund, einen Bitcoin-denominierten Dachfonds für Krypto-Hedge-Funds. Laut der Bankgruppe handelte es sich um den ersten solchen Fonds einer Bankengruppe weltweit.
Doch der nächste Schritt ging dem Verwaltungsrat zu weit. Marc Syz und Byworth wollten die Future Holdings AG als Krypto-Treasury-Gesellschaft unter dem Dach von Syz Capital führen. Daraufhin stoppte der Verwaltungsrat das Vorhaben und forderte beide auf, aus dem Board von Future Holdings auszutreten. Stattdessen verliessen sie Syz Capital vollständig. Marc Syz hält weiterhin rund 20 Prozent an der Einheit, Byworth rund 5 Prozent. Ob sie Aktionäre bleiben, ist offen. Auch COO Boris Chave hat die Bank zwischenzeitlich verlassen.
Von der Privatbank zum Bitcoin-Vehikel
Richard Byworth bringt eine ungewöhnliche Biografie mit. Er arbeitete bei BNP Paribas und Nomura, zuletzt als Managing Director in London, Tokio und Hongkong. Danach gründete er Eqonex Group, das erste an der Nasdaq gelistete Digital-Asset-Ökosystem. Im Oktober 2022 stiess er als Managing Partner zu Syz Capital und leitete den Liquid-Alternatives-Bereich.
Nun plant er gemeinsam mit Marc Syz und Adam Back den Aufbau von Europas grösstem Bitcoin-Treasury-Unternehmen. Future Holdings AG entstand im November 2025 und sicherte sich beim Launch 35 Mio. USD. Im Februar 2026 übernahm die schwedische H100 Group anschliessend die Gesellschaft per Aktientausch. Der Transaktionswert belief sich auf SEK 6.9 Mio. via rund 3.1 Mio. neuer Aktien, was etwa 1 Prozent Verwässerung entspricht. Die Eigenkapitalbewertung von Future Holdings lag bei rund CHF 375'000.
H100 hält derzeit rund 1'050 BTC. Ausserdem hat die Gruppe hat einen Letter of Intent unterzeichnet, um die norwegischen Firmen Moonshot AS und Never Say Die AS zu akquirieren. Zusammen bringen diese rund 2'450 BTC ein. Nach Abschluss würde H100 folglich auf etwa 3'500 BTC (rund 240 Mio. USD) kommen. Die H100-Aktie stieg seit dem Bitcoin-Fokus um 280 Prozent. Byworth soll Chair des Boards werden, Marc Syz Board Member.
Schweizer Privatbanken und die Krypto-Frage
Der Konflikt bei Syz steht exemplarisch für die Zerreissprobe, der sich Schweizer Privatbanken gegenübersehen. Das "Safe Haven"-Image reicht laut Marc Syz allein nicht mehr aus, um im Wettbewerb mit lokalen und internationalen Akteuren zu bestehen. Gleichzeitig scheuen viele Institute das Reputationsrisiko einer offensiven Krypto-Strategie.
Das Bitcoin-Treasury-Modell geht auf Strategy Inc. (ehemals MicroStrategy) zurück. CEO Michael Saylor kaufte im August 2020 erstmals Bitcoin für 250 Mio. USD. Inzwischen hält Strategy über 761'000 BTC. Insgesamt befinden sich über 1.14 Mio. BTC in den Bilanzen börsennotierter Unternehmen, rund 5.5 Prozent des maximalen Bitcoin-Angebots. Allerdings handeln viele Treasury-Vehikel nach dem jüngsten Kursrückgang nahe oder unter ihrem Nettoinventarwert. Das Modell hat somit auch Schattenseiten.
Die Syz Group betont derweil Kontinuität. Eine Sprecherin erklärte gegenüber Bloomberg, alternative Anlagen blieben "ein wesentlicher Pfeiler" der Bank. Nicolas Syz, der zweite Sohn des Gründers, übernahm am 1. Februar 2026 die CEO-Rolle bei Banque Syz. Entsprechend leitet CFO Christoph Raninger nun Syz Capital, Olivier Maurice fungiert als Deputy CEO.
Dual Listing und Schweizer Börsenambition
Marc Syz und Byworth verfolgen parallel zwei Projekte. Neben dem Bitcoin-Treasury-Vehikel planen sie einen unabhängigen Asset-Management-Venture als direkte Konkurrenz zu Syz Capital. Der Fokus soll auf alternativen Strategien für Kapitalerhalt und Wachstum liegen.
Für H100 und Future Holdings erkunden sie laut Medienberichten mit Stifel Financial Corp. ein Dual Listing. Aktuell ist H100 an der schwedischen NGM Nordic SME notiert. Mittelfristig soll dennoch ein Hauptlisting an der SIX folgen. Als Argumente nennen die Beteiligten die kryptofreundliche Regulierung der Schweiz, tiefe Zinsen und den drittliquidesten Aktienmarkt Europas.
Der Zeitplan ist ehrgeizig. Zunächst soll der definitive Vertrag für die Akquisition der norwegischen Bitcoin-Bestände bis zum 22. April 2026 stehen. Geplant ist der Abschluss kurz nach der Hauptversammlung am 21. Mai 2026. Schliesslich würde H100 mit rund 3'500 BTC zu den grössten Bitcoin-Haltern unter Europas börsennotierten Unternehmen zählen.








