Am ersten Juli 2026 sind alle EU/EWR-Übergangsfristen für MiCA ausgelaufen. Sechs Schweizer Krypto-Dienstleister haben mittlerweile eine MiCA-CASP-Autorisierung über EU- oder EWR-Töchter erhalten, zwei davon erst in den letzten Junitagen.
MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation, EU 2023/1114) ist das EU-weite Regelwerk für Anbieter von Krypto-Dienstleistungen. Es gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollständig. Eine CASP-Autorisierung erlaubt Firmen, Verwahrung, Handel, Orderausführung und Portfolioverwaltung EU-weit über ein Passporting-Verfahren anzubieten. Einzellizenzen pro Land entfallen damit. Die nationalen Übergangsfristen liefen gestaffelt aus. Österreich und Deutschland endeten bereits Ende 2025, Frankreich, Malta und Liechtenstein hingegen erst zum 01.07.2026. Da die Schweiz kein EU/EWR-Mitglied ist, kann die FINMA keine solche Lizenz vergeben. Schweizer Firmen brauchen daher zwingend eine Tochter in einem EU- oder EWR-Staat. Liechtenstein hat sich als EWR-Mitglied zum bevorzugten Einstiegspunkt entwickelt. Das ESMA-Register verzeichnete zuletzt insgesamt rund 244 autorisierte CASPs in 25 EU/EWR-Ländern. Davon gingen nur rund 210 auf Umwandlungen früherer VASP-Registrierungen zurück. Bei über 1'200 solchen Vorregistrierungen EU-weit entspricht das einer Konversionsrate von etwa 17%. Deutschland führt das Register mit 57 Autorisierungen der BaFin an.
Erste MiCA-CASP-Lizenzen via Österreich und Frankreich
Den Anfang machte die AMINA Bank aus Zug, die frühere SEBA Bank. Ihre österreichische Tochter AMINA (Austria) AG erhielt die MiCA-CASP-Lizenz im Oktober 2025 von der FMA Österreich. Es war die erste Krypto-Banking-Gruppe weltweit mit einer solchen Autorisierung. Die Lizenz deckt Verwahrung, Handel, Transferdienste, Portfolioverwaltung und Staking ab. Gleichzeitig war die Bank bei Erteilung bereits in 13 EU-Ländern notifiziert. Später will sie über 30 europäische Märkte erreichen.
Zwei weitere Anbieter wählten den Weg über die französische AMF. Relai aus Zürich sicherte sich zunächst die Autorisierung am 27. Oktober 2025 über die Pariser Tochter Relai EU SASU. Der Anbieter ist auf den Kauf und Verkauf von Bitcoin spezialisiert und setzt auf Self-Custody. Ebenso zählen sofortige SEPA-Transfers zum Angebot. SwissBorg aus Lausanne folgte später, am 11. März 2026, mit der Entität Blocknodes SAS. Dabei migrierte die Plattform ihre EU-Nutzerbasis von der estnischen Gesellschaft Swissborg Solutions OÜ nach Frankreich. Während Relai eng auf Bitcoin fokussiert bleibt, deckt SwissBorg ein breiteres Spektrum ab. Dazu zählen ferner Verwahrung, Orderausführung, Transfers, Portfolioverwaltung und Beratung.
Ebenfalls über eine EU-Tochter präsent ist die Crypto Finance AG aus Zürich, seit ihrer Übernahme Teil der Deutsche Börse Group. Die Crypto Finance (Deutschland) GmbH mit Sitz in Frankfurt operiert unter Aufsicht der BaFin. Ein offizielles Datum der BaFin-Autorisierung ist zwar nicht öffentlich belegt. Die AMF-Passporting-Whitelist weist jedoch bereits ab März 2025 eine Notifizierung nach Frankreich aus, was eine vorgängige Autorisierung voraussetzt.
Bitcoin Suisse und Sygnum sichern MiCA-Lizenz via Liechtenstein
Kurz vor dem Stichtag sicherten sich schliesslich zwei weitere Schwergewichte ihre Autorisierung über Liechtenstein. Bitcoin Suisse betreibt ihre Tochter Bitcoin Suisse (Europe) AG in Vaduz bereits seit 2018. Ursprünglich war diese Gesellschaft unter dem liechtensteinischen TVTG-Regime registriert. Am 23. Juni 2026 erteilte ihr die FMA Liechtenstein die MiCA-CASP-Autorisierung. Sie umfasst Handel, Verwahrung und Staking für institutionelle Kunden und vermögende Privatanleger. Gleichzeitig öffnet sie den Zugang zum EWR-Passporting für ausgewählte Märkte.
Nur drei Tage danach zog die Sygnum Bank nach, die aus Zürich und Singapur operiert. Ihre Tochter Sygnum Europe AG, ebenfalls in Vaduz ansässig, war seit dem 23. September 2024 unter dem TVTG registriert. Diese Registrierung bildete die Vorstufe für die spätere Autorisierung. Am 26. Juni 2026 erteilte die FMA Liechtenstein schliesslich die CASP-Autorisierung. Operativ ging die Gesellschaft am 30. Juni 2026 live. Das Dienstleistungsspektrum reicht weiterhin von Fiat- und Digital-Asset-Konten über den Handel inklusive Bitcoin bis zu institutioneller Verwahrung. Ausserdem umfassen die Dienste einen Crypto Yield Fund und eine Bank-to-Bank-Infrastruktur für EU-Banken. Über das Notifizierungsverfahren deckt die Autorisierung alle 30 EWR-Staaten ab.
Der Reiz Liechtensteins liegt in seiner Doppelrolle. Als EWR-Mitglied hat das Fürstentum MiCA übernommen. Ein einziger CASP erlaubt dort somit via Notifizierung Dienste in allen 30 EWR-Staaten. Für Nicht-EU-Firmen wie die beiden Schweizer Häuser bietet dieser Weg folglich Zugang zum gesamten Binnenmarkt aus einer einzigen Jurisdiktion. Zudem bot das nationale TVTG-Regime eine regulatorische Brücke, über die sich Firmen früh positionieren konnten.
Warum Taurus auf eine MiCA-CASP-Autorisierung verzichtet
Nicht jeder namhafte Schweizer Anbieter hält eine MiCA-CASP-Autorisierung. Ein Versäumnis ist das jedoch nicht in jedem Fall. Das Genfer Unternehmen Taurus ist auf Verwahrungsinfrastruktur und die Tokenisierung von Finanzinstrumenten für Banken spezialisiert. Es erhielt hingegen im Mai 2026 von der zyprischen CySEC eine MiFID-II-Investmentlizenz. Diese zielt auf tokenisierte Wertschriften wie Anleihen, Fondsanteile, Aktien und strukturierte Produkte. Krypto-Assets im MiCA-Sinne deckt sie nicht ab. Die Lizenz entspricht allerdings dem B2B-Fokus auf institutionelle Banken als Gegenparteien. Banken arbeiteten bevorzugt mit vollständig regulierten Gegenparteien, begründet Mitgründer Sébastien Dessimoz die Ausrichtung. Für die Schweiz hält Taurus zudem eine FINMA-Lizenz. Einen MiCA-CASP-Antrag hat der Anbieter in Vorbereitung.
Anders liegt der Fall bei 21Shares aus Zürich. Als Emittent von Krypto-ETPs (Exchange Traded Products) fällt das Unternehmen primär unter MiFID, AIFMD und die Prospektregeln. ETPs gelten regulatorisch als Wertschriften. Eine reine ETP-Emission ist daher strukturell keine MiCA-CASP-pflichtige Tätigkeit. Der fehlende Eintrag im ESMA-Register stellt somit ebenfalls kein regulatorisches Problem dar.
Kleinere Häuser wie Mt. Pelerin und Bity aus der Westschweiz bedienen den EU-Markt bislang nicht aktiv. Mt. Pelerin weist auf der eigenen Website ausdrücklich darauf hin, dass die Dienste für EU-Kunden nicht verfügbar sind. Gemessen an der EU-weiten Konversionsrate von rund 17% schneiden die Schweizer Anbieter insgesamt überdurchschnittlich ab. Sechs autorisierte Häuser bei begrenzter Grundgesamtheit deuten letztlich auf eine hohe regulatorische Bereitschaft im Schweizer Cluster hin.








