Die EU-Kommission hat ein umfassendes Verbot sämtlicher Krypto-Transaktionen mit russischen Dienstleistern vorgeschlagen. Das 20. Sanktionspaket soll pauschal jeden Kontakt zu in Russland ansässigen Krypto-Anbietern untersagen.
Bisher setzte Brüssel einzelne Plattformen auf Sanktionslisten. Neu kommt ein Verbot des digitalen Rubels hinzu, der geplanten Zentralbankwährung (CBDC) Russlands. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte das Paket am 6. Februar vor. Zur Verabschiedung ist die einstimmige Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten erforderlich. Drei Länder haben bereits Bedenken signalisiert. Denn das Paket geht weit über Krypto-Massnahmen hinaus. Vorgesehen sind Exportverbote im Wert von über 360 Millionen Euro. Importbeschränkungen für Stahl, Schrott und Chemikalien belaufen sich auf 570 Millionen Euro. Hinzu kommt ein vollständiges Dienstleistungsverbot für Tanker mit russischem Rohöl.
Warum Brüssel den Kurs wechselt
Der Strategiewechsel hat einen konkreten Grund. Laut einem internen Kommissionsdokument führt die bisherige Praxis, einzelne Krypto-Börsen zu sanktionieren, lediglich zur Gründung neuer Plattformen. Das Muster ist dokumentiert. Nach der polizeilichen Beschlagnahme von 26 Millionen USD bei Garantex im März 2025 gründeten ehemalige Mitarbeiter umgehend die Nachfolgeplattform Grinex. Daneben entstanden die Zahlungsplattformen A7, A71 und A7 Agent.
"Jede weitere Aufnahme einzelner Krypto-Dienstleister führt voraussichtlich zur Gründung neuer Anbieter, um diese Sanktionen zu umgehen. Um sicherzustellen, dass Sanktionen ihre beabsichtigte Wirkung erzielen, verbietet die EU den Kontakt mit jedem Krypto-Dienstleister, der in Russland ansässig ist." - Internes EU-Kommissionsdokument
Besonders relevant ist der Rubel-gedeckte Stablecoin A7A5. Lanciert im Januar 2025, erreichte er innerhalb eines Jahres ein Gesamttransaktionsvolumen von 100 Milliarden USD. Rund 41'300 Konten nutzten den Token für etwa 250'000 Transaktionen. Ausgegeben wird A7A5 von Old Vector in Kirgisistan, gedeckt durch Rubel-Einlagen bei der sanktionierten russischen Staatsbank Promsvyazbank. Der Stablecoin operiert so in einer regulatorischen Grauzone zwischen Zentralasien und Russland.
A7A5 - Sanktionen bremsen, stoppen aber nicht
Die EU sanktionierte A7A5 bereits im Oktober 2025 im 19. Sanktionspaket. Die USA hatten Grinex und das gesamte A7-Netzwerk im August 2025 auf die Sanktionsliste gesetzt. Betroffen waren neun Entitäten und drei Führungskräfte, darunter Garantex-Mitgründer Sergey Mendeleev.
Die Massnahmen zeigten Wirkung, allerdings begrenzte. Das tägliche Transaktionsvolumen von A7A5 sank von 1.5 Milliarden USD Mitte 2025 auf rund 500 Millionen USD im Januar 2026. Die Nutzerbasis wuchs dennoch weiter. Aktuell halten 35'500 Konten den Token, gegenüber 14'000 im Juli 2025. Der Token hat 42.5 Milliarden Einheiten im Umlauf, was einem Marktwert von 547 Millionen USD entspricht.
Hinter dem Netzwerk steht unter anderem Ilan Shor. Der moldauische Geschäftsmann wurde wegen Betrugs verurteilt und wegen Wahlbeeinflussung sanktioniert. Ebenfalls involviert ist die Promsvyazbank, sanktioniert wegen Unterstützung des russischen Verteidigungssektors. Das EU-Totalverbot zielt darauf ab, solche Strukturen systematisch zu erfassen, anstatt einzelne Akteure zu verfolgen.
Kirgisistan als erste Zielscheibe des Anti-Umgehungsinstruments
Neben den Krypto-Massnahmen plant die EU erstmals den Einsatz ihres 2023 eingeführten Anti-Umgehungsinstruments gegen einen Drittstaat. Kirgisistan steht im Fokus. Die Zahlen sprechen für sich. EU-Exporte von Dual-Use-Gütern nach Kirgisistan stiegen seit Kriegsbeginn um 800 Prozent. Kirgisische Exporte derselben Güter nach Russland legten um 1'200 Prozent zu.
Brüssel will deshalb den Export von CNC-Maschinen und Funkgeräten nach Kirgisistan verbieten. Auch das kirgisische Unternehmen TengriCoin soll wegen Handels mit dem A7A5 Stablecoin auf die Schwarze Liste kommen. Trotz wiederholter Gespräche habe Kirgisistan keine effektiven Exportkontrollen eingeführt, so die EU-Kommission.
Kirgisistans Position ist defensiv. Der Erste Stellvertretende Kabinettsvorsitzende Daniyar Amangeldiev erklärte, Bishkek habe keine offizielle Benachrichtigung über Sanktionen erhalten. Die Handelsstatistiken seien irreführend, da die ursprünglichen Volumina sehr niedrig gewesen seien.
Regulatorischer Rahmen wird dichter
Die neuen EU Krypto-Sanktionen gegen Russland ergänzen einen zunehmend engmaschigen Regulierungsrahmen. MiCA, die EU-weite Krypto-Regulierung, ist seit Dezember 2024 vollständig anwendbar. Krypto-Dienstleister müssen Transaktionen gegen Sanktionslisten prüfen und verdächtige Aktivitäten melden. Bei Verstössen drohen Strafen von bis zu 5 Millionen Euro oder 10 Prozent des Jahresumsatzes.
Seit Januar 2026 gilt mit DAC8 ausserdem eine Steuertransparenzpflicht für Krypto-Transaktionen. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) verpflichtet alle MiCA-regulierten Firmen seit Januar 2025 zu erhöhten IT-Sicherheitsstandards. Für russische Akteure schrumpft der legale Spielraum in der EU damit systematisch.
Parallel treibt Russland den digitalen Rubel voran. Der Massen-Rollout ist ab September 2026 geplant, zunächst für systemrelevante Grossbanken. Russische Bundesbehörden dürfen die CBDC bereits seit Januar 2026 nutzen. Dass die EU den digitalen Rubel präventiv verbieten will, zeigt den Versuch, künftige Umgehungskanäle frühzeitig zu blockieren. Die geplante Verabschiedung des 20. Sanktionspakets fällt auf den 24. Februar, den vierten Jahrestag der russischen Invasion. Dafür ist Einstimmigkeit unter allen 27 EU-Mitgliedstaaten nötig. EU-Sanktionsbeauftragter David O'Sullivan reist am 26. Februar nach Bishkek für Gespräche mit kirgisischen Behörden über die Anti-Umgehungsmassnahmen.








