Morgan Stanley hat zwei S-1-Registrierungsanträge bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Die Investmentbank plant damit eigene börsengehandelte Fonds für Bitcoin und Solana. Mit diesem Schritt wird Morgan Stanley zur ersten grossen US-Bank, die als Emittent in den Krypto-ETF-Markt eintritt.
Der Morgan Stanley Bitcoin Trust soll den Bitcoin-Preis abbilden und die Kryptowährung direkt halten, ohne Derivate oder Hebelwirkung einzusetzen. Parallel dazu beantragte die Bank den Morgan Stanley Solana Trust, der zusätzlich einen Teil der gehaltenen Solana-Token staken will. Die Ticker-Symbole für beide Produkte stehen noch nicht fest.
Strategischer Wandel bei Morgan Stanley
Die Anträge markieren einen fundamentalen Kurswechsel in der Krypto-Strategie der Investmentbank. Bisher beschränkte sich Morgan Stanley auf den Vertrieb von Krypto-Produkten externer Anbieter wie BlackRock und Fidelity. Folglich positioniert sich die Bank mit eigenen ETFs nun als direkter Wettbewerber dieser etablierten Krypto-ETF-Emittenten.
Dieser Wandel folgt auf mehrere strategische Entscheidungen im vergangenen Jahr. Im Oktober 2025 öffnete Morgan Stanley den Zugang zu Krypto-Investments für alle Kunden. Zuvor konnten nur Kunden mit mindestens 1.5 Millionen Dollar Vermögen und aggressivem Risikoprofil in Kryptowährungen investieren. Seit dem 15. Oktober 2025 können Finanzberater jedem Kunden Krypto-Fonds anbieten, einschliesslich Altersvorsorgekonten.
Das Global Investment Committee von Morgan Stanley empfiehlt derzeit eine Krypto-Allokation von 2% bis 4% für diversifizierte Portfolios. Chief Investment Officer Lisa Shalett bezeichnete Kryptowährungen als spekulative, aber zunehmend populäre Anlageklasse.
Marktumfeld begünstigt institutionelle Krypto-Produkte
Der US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETF-Markt erreichte ein Gesamtvermögen von 123.5 Milliarden Dollar. Dabei halten diese Fonds geschätzt 6.6% der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung. Zudem flossen seit dem 1. Januar 2026 mehr als 1.1 Milliarden Dollar frisches Kapital in diese Produkte.
Darüber hinaus überschritt das kumulative Handelsvolumen aller US-Spot-Krypto-ETFs die Marke von 2 Billionen Dollar. Der Markt benötigte mehr als ein Jahr für die erste Billion, fügte die zweite Billion jedoch in etwa acht Monaten hinzu. Somit unterstreicht diese Beschleunigung das wachsende institutionelle Interesse.
Im September 2025 genehmigte die SEC neue generische Listing-Standards für Kryptowährungs-ETPs auf beschleunigter Basis. Dadurch können qualifizierte Fonds ohne die langwierigen 19b-4-Regeländerungsanträge starten, die Genehmigungen zuvor um bis zu 240 Tage verzögerten.
Produktstruktur und technische Details
Der Morgan Stanley Bitcoin Trust wird von Morgan Stanley Investment Management gesponsert. Entsprechend plant der Fonds die direkte Verwahrung von Bitcoin ohne Einsatz von Derivaten oder Leverage. Der Nettoinventarwert wird dabei täglich anhand eines Bitcoin-Preisbenchmarks berechnet, der auf Aktivitäten an grossen Spot-Börsen basiert.
Gleichzeitig plant Morgan Stanley die Einführung von In-Kind-Creation und Redemption für den Fonds. Bei diesem Verfahren können autorisierte Teilnehmer Fondsanteile gegen die zugrunde liegenden Bitcoin-Bestände tauschen, anstatt Bargeldtransaktionen durchzuführen. Folglich gilt diese Struktur als steuerlich effizienter und reduziert den Tracking Error.
Im Gegensatz dazu unterscheidet sich der Solana Trust durch seine Staking-Komponente. Dabei wird ein Teil der gehaltenen Solana-Token gestakt, wobei Belohnungen für die Unterstützung des Blockchain-Netzwerks anfallen. Diese zusätzliche Rendite könnte den Solana-ETF somit für ertragsorientierte Anleger attraktiver machen als reine Spot-Produkte.
Regulatorisches Umfeld und politischer Kontext
Die Anträge erfolgen in einem veränderten regulatorischen Umfeld. Unter der Regierung von Präsident Donald Trump hat die regulatorische Klarheit für Kryptowährungen zugenommen. Dementsprechend erlaubte das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) im Dezember 2025 Banken, als Intermediäre bei Krypto-Transaktionen zu agieren.
Morgan Stanley verfügt über 1.81 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen in der Investment-Management-Sparte. Insgesamt erreichten die Kundenassets über Wealth Management und Investment Management 8.2 Billionen Dollar. Entsprechend verleiht diese Grössenordnung den ETF-Anträgen erhebliches Gewicht im Markt.
Die Genehmigung der ersten US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 ebnete den Weg für diese Entwicklung. Seitdem dominieren BlackRock mit dem iShares Bitcoin Trust und Fidelity mit dem Wise Origin Bitcoin Fund den Markt. Morgan Stanley tritt nun als erster grosser Bankemittent in diesen Wettbewerb ein und könnte den Markt weiter institutionalisieren.
Wettbewerbslandschaft und Ausblick
Der Eintritt von Morgan Stanley als Emittent intensiviert den Wettbewerb im Krypto-ETF-Markt. Allerdings dürften die attraktiven Gebühreneinnahmen, die Firmen wie BlackRock mit Spot-Bitcoin-Produkten generieren, ein wesentlicher Treiber für diese strategische Entscheidung sein. Schliesslich verwaltet Morgan Stanley Investment Management bereits traditionelle ETFs und kann diese Infrastruktur für die neuen Krypto-Produkte nutzen.
Die SEC muss die Anträge zunächst prüfen und genehmigen, bevor die Fonds an einer nationalen Börse gelistet werden können. Angesichts der beschleunigten Genehmigungsverfahren seit September 2025 könnte der Prozess dennoch schneller verlaufen als bei früheren Krypto-ETF-Anträgen. Die konkreten Ticker-Symbole und Gebührenstrukturen werden voraussichtlich in aktualisierten Einreichungen bekannt gegeben.







