Projekt Jura: Der nächste Schritt für einen Schweizer CBDC?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) setzt ihre Experimente im Bereich der digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) fort. Das „Projekt Jura“ untersucht die grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung in Zusammenarbeit mit der Französischen Notenbank.

Die G20 hat die Verbesserung von grenzüberschreitenden Zahlungen zu einer ihrer Prioritäten erklärt und einen mehrjährigen Zeitplan zur Koordinierung der entsprechenden Anstrengungen unterbreitet. Das vorliegende Experiment trägt zu diesen Arbeiten bei.

Das „Projekt Jura“ soll erforschen, wie Grosshandel-CBDCs die Geschwindigkeit, Effizienz und Transparenz von grenzüberschreitenden Anwendungsfällen steigern könnte. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) unterstützt Experimente der Zentralbanken zu öffentlichen Gütern im technologischen Bereich.

Experimente der Schweizerischen Nationalbank

Das Projekt Jura ergänzt die Zentralbankexperimente um das „Projekt Helvetia„, das die Effektivität von CBDCs untersucht. Es ist von rein exploratorischer Natur und darf laut eigenen Aussagen nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von digitalem Zentralbankgeld für Finanzintermediäre durch die Schweizerische Nationalbank oder die Banque de France interpretiert werden.

Ferner umfasst das Konsortium auch die Privatwirtschaft. Die Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS, die französische Natixis, das US-Krypto-Konsortium R3 sowie die Schweizer Digitalbörse SIX Digital Exchange spannen zusammen und testen die Abwicklung von grenzüberschreitenden Transaktionen.

Für Zentralbanken ist es entscheidend, bei technologischen Entwicklungen am Puls der Zeit zu bleiben. Die Schweizerische Nationalbank untersucht bereits im Rahmen des Projekts Helvetia die Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten mittels Grosshandel-CBDC. Wir freuen uns, durch die Teilnahme an dieser spannenden Initiative diese Analyse in einen grenzüberschreitenden Kontext auszuweiten.“ – Andréa M. Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank

Das Finanzinstrument umfasst den Tausch gegen einen Euro-CBDC nach dem Prinzip Lieferung-gegen-Zahlung (delivery versus payment, DvP), sowie den Tausch von digitalen Euros gegen einen Franken-CBDC.

Transaktionen mit Euro und Schweizer Franken

Diese Transaktionen werden zwischen Banken mit Sitz in Frankreich und in der Schweiz abgewickelt. Das Eurosystem engagiert sich laut der Französischen Notenbank für Innovationen und passt seine Handlungen dem starken Trend zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs an.

„Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit der Schweizerischen Nationalbank und dem BIZ Innovation Hub unter dem Namen «Jura» ein wichtiges Experiment zur grenzüberschreitenden Abwicklung in Angriff zu nehmen.“ – Sylvie Goulard, Vizepräsidentin der Banque de France

Die Banque de France ist überzeugt, dass digitales Zentralbankgeld das Potenzial hat, maximale Sicherheit und Effizienz bei Finanztransaktionen zu gewährleisten. Sie hat daher letztes Jahr ein Programm an Experimenten lanciert, um in diesem Bereich Fortschritte zu erzielen.

Reibungsverluste verringern

Digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) könnten die derzeitigen Reibungsverluste im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr verringern – vor allem, wenn die Zentralbanken von Anfang an eine internationale Dimension in die Gestaltung ihrer CBDCs einbeziehen. Basierend auf einer Umfrage unter 50 Zentralbanken im ersten Quartal 2021 untersucht ein Papier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die ersten Überlegungen zur grenzüberschreitenden Nutzung von CBDCs.

Während die meisten Zentralbanken noch keine Entscheidung über die Ausgabe eines CBDCs getroffen haben, zeigen die Antworten auf eine Umfrage eine zaghafte Neigung, die Nutzung eines zukünftigen CBDCs durch Touristen und andere Gebietsfremde im Inland zuzulassen. Sie sind vorsichtig, wenn es darum geht, die Nutzung eines CBDCs ausserhalb ihres eigenen Zuständigkeitsbereichs zu erlauben.

Auswirkungen eines CBDCs

Bedenken über die wirtschaftlichen und monetären Auswirkungen der grenzüberschreitenden Nutzung von CBDCs und globalen Stablecoins des privaten Sektors werden ernst genommen. Auf der Grosshandelsebene erwägen laut der Umfrage der BIZ 28% der Zentralbanken Optionen, um CBDCs durch die Bildung von Multi-CBDC-Vereinbarungen interoperabel zu machen.

Dies beinhaltet Vereinbarungen, welche die Kompatibilität verbessern, mehrere CBDCs miteinander verbinden oder sogar in ein gemeinsames Zahlungssystem integrieren. Schliesslich erwägen fast 14% der Befragten eine aktive Rolle der Zentralbank bei der Währungsumrechnung.

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