JPMorgan hat seinen Einlagen-Token JPM Coin nach dem Start auf Base im November 2025 nun auch auf Ethereum für institutionelle Kunden freigeschaltet. Damit bietet die Bank Grossbetragszahlungen in Dollar auf zwei öffentlichen Blockchains an.
Ein Einlagen-Token ist ein digitaler Zahlungsbaustein auf einer Blockchain, der eine Bankeinlage abbildet. Anders als bei einem Stablecoin wie USDC bleibt das Geld dabei in der regulierten Infrastruktur der Bank. JPM Coin gehört zu Kinexys, der früher als Onyx bekannten Blockchain-Sparte von JPMorgan. Ursprünglich stand der Name 2019 für ein internes Zahlungssystem der Bank. Der aktuelle Token mit dem Kürzel JPMD ist die erste Ausprägung auf einer öffentlichen Chain. Zunächst lief ab Juni 2025 ein Pilot auf Base, dem Layer-2-Netzwerk von Coinbase. Zu den frühen Testern zählten neben Coinbase auch der Liquiditätsanbieter B2C2 und Mastercard. Über Kinexys liefen laut der Bank seit dem Start insgesamt mehr als 4 Bio. USD, im Schnitt 7 Mrd. USD pro Tag.
Was institutionelle Kunden mit JPM Coin auf Ethereum tun können
Am Produkt selbst ändert sich nichts. Zuvor lief JPMD ausschliesslich auf Base, seit dem 19. Oktober 2026 ist Ethereum als zweite Chain verfügbar. Gemäss der Mitteilung von Kinexys steht JPM Coin auf Ethereum nur institutionellen Kunden von J.P. Morgan offen. Gedacht ist der Token für Grossbetragszahlungen zwischen professionellen Marktteilnehmern. Privatkunden bleiben aussen vor.
Transfers laufen direkt zwischen diesen Kunden, und zwar innerhalb des EVM-Ökosystems. Gemeint sind Blockchains, die mit der Ethereum Virtual Machine kompatibel sind, also Smart Contracts nach dem Ethereum-Standard ausführen, Base eingeschlossen. Die Bank bezeichnet Ethereum als Layer-1-Netzwerk: die Basisschicht, auf der Netzwerke wie Base aufsetzen. Ausserdem hat die Bank eine Einführung von JPM Coin auf dem Canton Network angekündigt, einer Blockchain ausserhalb der EVM-Welt.
Regulatorisch bleibt JPMD eine Bankeinlage, auch wenn der Token auf einer öffentlichen Blockchain zirkuliert. Wer ihn hält, hat somit eine Forderung gegenüber JPMorgan wie bei einem gewöhnlichen Bankguthaben. Ein Stablecoin-Emittent gibt hingegen ein eigenes Zahlungsmittel aus und deckt es mit Reserven. Insgesamt ändert sich für Treasury-Abteilungen mit der zweiten Chain vor allem die Reichweite ihrer Dollar-Einlagen. Sie können das Geld auf der Chain einsetzen, auf der ihre Gegenparteien oder tokenisierten Anlagen bereits liegen, ohne es zuvor in einen Stablecoin zu tauschen.
Warum Kinexys auf Ethereums Liquidität setzt
Kinexys begründet die Wahl mit der etablierten Tiefe an On-Chain-Liquidität und tokenisierten Vermögenswerten auf Ethereum. Ein gängiges Mass für die Liquidität ist der Total Value Locked (TVL), das in DeFi-Anwendungen gebundene Kapital. Gemäss DeFiLlama lag dieser Wert auf Ethereum in der Woche der Ankündigung bei knapp 50 Mrd. USD. Base kam vergleichsweise auf gut 6 Mrd. USD, also etwa ein Achtel davon. Allerdings ist der Ethereum-Wert seit Ende Dezember 2025 um gut ein Viertel gefallen, damals lag er bei rund 68 Mrd. USD.
Für JPMorgan ist Ethereum kein neues Terrain. Im Dezember 2025 lancierte die Bank dort ihren ersten tokenisierten Geldmarktfonds, ausgestattet mit 100 Mio. USD Startkapital. Fünf Monate später, im Mai 2026, folgte ein zweiter tokenisierter Fonds. Mit JPM Coin liegt nun ebenfalls das Zahlungsmittel der Bank auf Ethereum.
„Dass wir JPM Coin zuerst auf Base und jetzt auf Ethereum ausgeben, ist ein bedeutender Schritt, um unseren institutionellen Kunden Multi-Chain-Optionalität für Grossbetragszahlungen im Web3 und im traditionellen Finanzsystem zu bieten.“ - Emma Landriault, Global Head of Kinexys Labs bei J.P. Morgan
Letztlich wählt damit der Kunde die Chain, auf der seine Einlage arbeitet. Je mehr Kapital und tokenisierte Anlagen dort liegen, desto mehr Gegenparteien findet er für seine Zahlungen. Und die Bank liefert auf beiden Chains dasselbe Geld.
Einlagen-Token bleiben ausserhalb des GENIUS Act
In Medienberichten erschien der Schritt als Vorbereitung auf den GENIUS Act. Das Bundesgesetz regelt, wer in den USA Zahlungs-Stablecoins ausgeben darf. Die Mitteilung von JPMorgan erwähnt das Gesetz jedoch nicht, und der Gesetzestext stützt diese Lesart ebenso wenig. Section 2(22) des GENIUS Act nimmt Einlagen im Sinn des Federal Deposit Insurance Act von der Definition des Zahlungs-Stablecoins aus. Das gilt ausdrücklich auch für Einlagen, die mit Distributed-Ledger-Technologie erfasst sind. Tokenisierte Bankeinlagen wie JPMD fallen folglich unter das bestehende Bankrecht.
Das Stablecoin-Regime selbst ist noch nicht wirksam. Seit der Unterzeichnung im Juli 2025 arbeiten die Regulatoren an den Durchführungsregeln, die Jahresfrist dafür verpassten sie im Juli 2026 allerdings. Spätestens greift das Regime am 18. Januar 2027, 18 Monate nach der Unterzeichnung. Erlassen die Behörden die finalen Regeln früher, gilt es bereits 120 Tage danach, sofern dieser Termin vor dem Stichtag liegt.
Für Banken ergibt sich deshalb ein Unterschied im Zeitplan. Denn Einlagen-Token dürfen sie unter dem geltenden Aufsichtsrecht ausgeben, ohne auf die Durchführungsregeln zu warten. Wer hingegen Stablecoins unter dem neuen Bundesregime emittieren will, bleibt an den Abschluss des Regelwerks gebunden. Ob JPMorgan diesen Unterschied gezielt nutzt, geht aus der Mitteilung jedoch nicht hervor.
Die Grossbanken bauen ein gemeinsames Netzwerk
Über die Bankenorganisation The Clearing House planen JPMorgan, Citi, Bank of America und Wells Fargo ein gemeinsames Netzwerk für tokenisierte Einlagen. Starten soll es im ersten Halbjahr 2027. Ausserdem sollen über ein Dutzend weitere Institute mitmachen, darunter BNY, BMO und HSBC. JPMorgan verfolgt somit zwei Wege parallel: einen eigenen Token auf öffentlichen Chains und ein gemeinsames Netz mit der Konkurrenz.
Gleichzeitig treiben einzelne Häuser eigene Plattformen voran. Citi Token Services, der Dienst von Citi für tokenisierte Einlagen, ist bereits in sieben Märkten in Betrieb. Dazu zählen neben den USA und Grossbritannien auch Irland, Hongkong, Singapur, Japan und die Vereinigten Arabischen Emirate. Wells Fargo kündigte zudem für den Herbst 2026 eigene Einlagen-Token an, zunächst nur für ausgewählte Firmenkunden und einen begrenzten Tausch zwischen US-Dollar und Pfund.
Kinexys selbst läuft vor allem auf einem zugangsbeschränkten Netzwerk, öffentliche Chains wie Base und Ethereum ergänzen es. Gemessen am Kerngeschäft der Bank bleibt das Kinexys-Volumen vergleichsweise klein. Die durchschnittlich 7 Mrd. USD pro Tag entsprechen weniger als 0.1% der über 10 Bio. USD, welche die Zahlungssparte von JPMorgan täglich abwickelt. Für die Bank bleiben öffentliche Blockchains daher ein Zusatzkanal zum bestehenden Zahlungsgeschäft.








