Bitcoin hat seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar rund 11 Prozent zugelegt. Gold verlor im selben Zeitraum etwa 15 Prozent, der S&P 500 ist ebenfalls rückläufig. Das geht aus einem neuen Report von JPMorgan hervor, den Managing Director Nikolaos Panigirtzoglou am Mittwoch veröffentlichte.
Die Zahlen sind eindeutig: Gold-ETFs verzeichneten in den ersten drei Märzwochen Abflüsse von rund 11 Milliarden USD. Gleichzeitig verloren Silber-ETFs sämtliche Zuflüsse, die sie seit Sommer 2025 akkumuliert hatten. Bitcoin-Fonds hingegen verbuchten Netto-Zuflüsse. Konkret flossen dem BlackRock IBIT rund 1.5 Prozent seines AuM zu, während der SPDR Gold Shares (GLD) etwa 2.7 Prozent verlor.
Edelmetalle unter Liquiditätsdruck
JPMorgan nennt mehrere Faktoren für die Schwäche bei Gold und Silber. Steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar belasten traditionelle Inflationsabsicherungen. Dazu kommen Gewinnmitnahmen bei Investoren, die seit der Gold-Rally Ende 2024 grosse Positionen aufgebaut hatten. Gold erreichte im Januar 2026 ein Rekordhoch von rund 5'500 USD pro Unze und notiert aktuell bei etwa 4'450 USD - ein Rückgang von fast 20 Prozent.
Der Liquiditätsdruck verstärkt den Abverkauf zusätzlich. Zwangsliquidierungen durch Margin Calls treiben die Preise weiter nach unten. An der CME hatten sich bis Ende 2025 massive Gold- und Silber-Positionen aufgebaut, die sich seit Januar scharf auflösen. Panigirtzoglou beschreibt die Situation als strukturelle Verschlechterung der Marktbedingungen für Edelmetalle.
Silber trifft es besonders hart. Von einem Höchststand bei rund 120 USD pro Unze fiel der Preis auf etwa 69 USD - eine klassische Korrektur nach dem Überschiessen der vorangegangenen Rally.
Bitcoin zeigt erstmals klare Divergenz zu Gold
Der JPMorgan-Report markiert einen Wendepunkt in einer langjährigen Debatte. Bitcoin galt institutionell lange als Risk-on-Asset mit hoher Korrelation zu Tech-Aktien. Denn konkrete Daten für eine Safe-Haven-Funktion fehlten. Der Iran-Krieg liefert nun erstmals empirische Evidenz für ein divergierendes Verhalten in einem grossen geopolitischen Schock.
"Die Verschlechterung der Liquiditätsbedingungen bei Gold hat dazu geführt, dass die Marktbreite von Gold inzwischen unter jene von Bitcoin gefallen ist." - Nikolaos Panigirtzoglou, JPMorgan
Auffällig ist, dass nicht nur der Preis, sondern auch das institutionelle Positioning die These stützt. CME Bitcoin-Futures blieben in den letzten Wochen stabil, während Gold- und Silber-Futures massive Positionsauflösungen erlebten. Die Kapitalströme fliessen also nicht einfach aus Edelmetallen ab. Sie fliessen teilweise in Bitcoin-Produkte um.
Krypto-Nutzung in Kriegsgebieten steigt
Chainalysis-Daten zeigen einen deutlichen Anstieg der Krypto-Aktivität in den vom Iran-Krieg betroffenen Regionen. Einwohner transferieren Gelder zunehmend in Self-Custody und auf internationale Plattformen. Damit bestätigt sich ein Muster aus früheren Konflikten: Kryptowährungen dienen als Kapitalfluchtmechanismus, wenn traditionelle Finanzinfrastruktur unter Druck gerät.
Am 28. Februar starteten die USA und Israel die Operation "Epic Fury" mit Luftangriffen auf Iran. Seither eskalierte der Konflikt rasch. Über 2'000 Todesopfer und Hunderttausende Vertriebene in Iran, Libanon und Israel sind die humanitäre Bilanz nach knapp einem Monat. Der Ölpreis stieg über 100 USD pro Barrel. Und während traditionelle Märkte auf Risk-off schalteten, hielt Bitcoin stand.
Kontext: JPMorgan und die Bitcoin-Neubewertung
JPMorgan hatte Bitcoin bereits in früheren Reports als "digitales Gold" kategorisiert. Allerdings fehlten bis jetzt belastbare Daten, die eine tatsächliche Safe-Haven-Funktion in Krisenzeiten belegten. Der aktuelle Report von Panigirtzoglou liefert erstmals eine datengestützte Analyse, die Flow-Daten, institutionelles Positioning, Momentum-Signale und Liquiditätsbedingungen systematisch vergleicht.
Für die institutionelle Adoption ist das relevant. Wenn Bitcoin in einem realen geopolitischen Stressszenario besser abschneidet als Gold, verändert das die Allokationslogik von Portfoliomanagern. Bislang stand Bitcoin in institutionellen Portfolios primär als Wachstumskomponente. Eine nachgewiesene Hedge-Funktion eröffnet eine andere Diskussion: Bitcoin als strategische Diversifikation in Multi-Asset-Portfolios.
Was dabei untergeht - der Krieg geht unterdessen in seine vierte Woche. Trump erwägt laut CNN ein "Winding Down" der militärischen Aktivitäten, und die USA verlängerten zuletzt ihre Pause bei Angriffen auf iranische Energieinfrastruktur. Ob Bitcoins Outperformance eine Deeskalationsphase überdauert, dürfte für Allokationsentscheidungen in den kommenden Wochen zentral werden.








