Australiens drittgrösster Pensionsfonds Hostplus prüft ein direktes Krypto-Angebot für seine rund 2.2 Millionen Mitglieder. Der Fonds verwaltet etwa 150 Milliarden AUD (105 Milliarden USD) und will den Zugang über seine bestehende ChoicePlus-Plattform ermöglichen. Frühester Starttermin ist das australische Geschäftsjahr ab Juli.
Damit wäre Hostplus der erste grosse APRA-regulierte Pensionsfonds in Australien, der seinen Mitgliedern direkten Krypto-Handel anbietet. Denn bisherige Vorstösse im australischen Superannuation-Markt beschränkten sich auf indirektes Exposure über Futures. Laut Bloomberg befindet sich der Plan in der Design-Phase. Eine regulatorische Genehmigung durch die australische Finanzaufsicht ASIC steht noch aus.
ChoicePlus als Krypto-Kanal im Pensionsfonds
Das Hostplus Krypto-Angebot soll über ChoicePlus laufen, ein selbstverwaltetes Investment-Fenster innerhalb des regulierten Pensionsfonds. Die Plattform erlaubt Mitgliedern bereits heute, eigenständig in australische Aktien (ASX 300), ETFs, Listed Investment Companies und Termingelder zu investieren. Voraussetzung ist ein Mindestguthaben von 10'000 AUD bei einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 168 AUD. Die Mindest-Kauforder liegt bei 1'500 AUD.
ChoicePlus repräsentiert aktuell rund 1 Prozent des Gesamtvermögens, also etwa 1 Milliarde USD. Die Plattform positioniert sich als einfachere Alternative zu Self-Managed Superannuation Funds (SMSFs), bleibt aber innerhalb des APRA-Regulierungsrahmens. Mitglieder tragen das Anlagerisiko selbst, profitieren jedoch von der institutionellen Aufsicht des Fonds. Im Gegensatz zu einem vollständig selbstverwalteten SMSF entfällt der administrative Aufwand für Compliance und Berichterstattung.
Neben Bitcoin prüft Hostplus auch weitere Kryptowährungen sowie tokenisierte Musikrechte als mögliche Anlageklassen für ChoicePlus. CIO Sam Sicilia reagiert auf eine wachsende Nachfrage innerhalb der Mitgliederbasis. Das Durchschnittsalter der Hostplus-Mitglieder liegt bei Mitte bis Ende 30, deutlich jünger als bei traditionellen Pensionsfonds. Entsprechend hoch ist die Affinität zu digitalen Assets.
Regulatorischer Rahmen und wachsende Nachfrage
Die Genehmigung durch die australische Finanzaufsicht ASIC ist die zentrale Hürde für das Vorhaben. Ab dem 31. März 2026 müssen alle digitalen Asset-Plattformen in Australien eine DAP-Lizenz besitzen. ASIC veröffentlichte bereits im Dezember 2024 mit dem Consultation Paper 381 eine erste regulatorische Orientierung zu Krypto-Assets im Fondsbereich. Wenige Tage später überarbeitete die Behörde den Regulatory Guide 133 und erfasste Krypto-Assets darin erstmals explizit.
Die Nachfrage ist kein abstraktes Marktphänomen, sondern konkret messbar. Rund 25 Prozent der Australier wollen laut Branchenberichten über ihren Pensionsfonds auf Krypto-Assets zugreifen. Auch die Zahlen der selbstverwalteten Fonds belegen den Trend. SMSFs halten per 2025 bereits 1.7 Milliarden AUD in Krypto-Assets. Das ist eine Versiebenfachung gegenüber 2021, als die Bestände bei rund 243 Millionen AUD lagen. Gleichzeitig stiegen die SMSF-Neugründungen 2024 bis 2025 um 69 Prozent im Jahresvergleich. Viele Australier gründen somit eigene Pensionsvehikel, nur um Krypto-Zugang zu erhalten. Hostplus will genau diese Nachfrage innerhalb seines bestehenden, regulierten Rahmens bedienen. Der Vorteil gegenüber einem SMSF liegt in geringeren Kosten und weniger Verwaltungsaufwand für die einzelnen Mitglieder.
Von AMP zu Hostplus: Australiens Krypto-Pensionsgeschichte
Hostplus betritt kein völlig unerschlossenes Terrain. AMP Ltd. investierte im Mai 2024 als erster grosser australischer Superfonds 27 Millionen AUD in Bitcoin-Futures. Das entsprach damals 0.05 Prozent des verwalteten Vermögens. AMP reduzierte die Position allerdings zwischenzeitlich auf 0.02 Prozent und baute sie vor dem Marktrückgang 2026 weitgehend ab. Selbst kleine Krypto-Allokationen in Pensionsfonds erfordern also aktives Risikomanagement.
Der Ansatz von Hostplus unterscheidet sich jedoch grundlegend vom AMP-Modell. AMP setzte auf indirektes Exposure über Futures innerhalb des Fondsportfolios. Die Entscheidung lag beim Fondsmanagement, nicht beim einzelnen Mitglied. Hostplus hingegen plant ein direktes Angebot, bei dem Mitglieder eigenständig entscheiden, ob und wieviel sie in Krypto investieren. Das Modell ähnelt eher einem Brokerage-Konto als einer klassischen Pensionsallokation. Das Verlustrisiko trägt das Mitglied, nicht der Fonds.
4.5 Billionen AUD Superannuation-Markt im Fokus
Australiens Superannuation-System gehört zu den grössten Pflicht-Pensionssystemen der Welt. Der Gesamtmarkt umfasst 4.5 Billionen AUD (3.15 Bio. USD). Arbeitgeber zahlen verpflichtend 12 Prozent des Lohns ein. Trotz dieser enormen Summe blieben Krypto-Assets im institutionellen australischen Pensionsbereich bislang eine Rarität. Traditionelle Superfonds investierten fast ausschliesslich in Aktien, Anleihen, Immobilien und Private Equity.
Sollte sich das Hostplus-Modell bewähren, könnte es als Vorlage für weitere APRA-regulierte Fonds dienen. Institutionelle Krypto-Investments gewinnen nämlich global an Dynamik. In den USA verzeichnen Bitcoin-Spot-ETFs hohe Zuflüsse. In der Schweiz bieten einzelne Anbieter bereits tokenisierte Assets an. Mit dem ChoicePlus-Modell könnte Australien einen eigenen Weg einschlagen. Krypto-Zugang innerhalb bestehender Pensionsstrukturen würde die gesamte Fondsallokation nicht verändern. Das senkt das systemische Risiko und gibt den Mitgliedern dennoch Wahlfreiheit.








