Die österreichische Krypto-Handelsplattform Bitpanda bereitet einen Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse vor. Bloomberg berichtet unter Berufung auf informierte Kreise, dass das IPO bereits im ersten Halbjahr 2026 stattfinden könnte.
Bitpanda strebt dabei eine Bewertung zwischen 4 und 5 Milliarden Euro an, so die Quellen. Das Unternehmen hat Goldman Sachs, Citigroup und die Deutsche Bank als Konsortialbanken beauftragt. Die Entscheidung für Frankfurt erfolgte nach einer Prüfung der Londoner Börse. Mitgründer Eric Demuth hatte zuvor erklärt, ein Listing werde entweder in New York oder Frankfurt stattfinden. Die schwache Liquidität an der London Stock Exchange führte zur Absage eines UK-Börsengangs. Frankfurt positioniert sich damit als bevorzugter Standort für europäische Krypto-Unternehmen.
Regulatorische Basis für den Börsengang
Bitpanda hat in den vergangenen Monaten eine umfassende regulatorische Infrastruktur aufgebaut. Im Januar 2025 erhielt die Plattform als eines der ersten Krypto-Unternehmen eine MiCAR-Lizenz von der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Es folgten Lizenzen der maltesischen Finanzaufsicht MFSA und im April 2025 der österreichischen FMA. Damit ist Bitpanda das erste Unternehmen mit drei MiCAR-Lizenzen in Deutschland, Malta und Österreich.
Die Markets in Crypto-Assets Regulation trat am 30. Dezember 2024 vollständig in Kraft. Sie schafft einen harmonisierten Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister in der gesamten EU. Bitpanda nutzt diesen Vorteil konsequent: Die Lizenzen ermöglichen den Zugang zu allen 27 EU-Mitgliedstaaten und potenziell über 500 Millionen Nutzern. Zusätzlich verfügt Bitpanda über eine PSD2-Zahlungsdienstleisterlizenz und eine E-Geld-Lizenz.
Marktposition und finanzielle Entwicklung
Bitpanda wurde 2014 von Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer in Wien gegründet. Die Plattform bedient mittlerweile über 7 Millionen Nutzer in rund 40 Ländern, vorwiegend in Europa. Das Angebot umfasst mehr als 650 Kryptowährungen sowie den Handel mit tokenisierten Aktien und Edelmetallen. Insgesamt stehen über 3'200 Instrumente zur Verfügung.
Im Jahr 2024 erzielte Bitpanda einen operativen Umsatz von 393 Millionen Euro. Dies entspricht mehr als einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA stieg um das Fünffache, die EBITDA-Marge überschritt 30 Prozent. Das Unternehmen bezeichnet dies als die bislang stärkste finanzielle Performance seiner Geschichte. Das Wachstum resultierte aus Marktexpansion, neuen institutionellen Partnerschaften und Produkterweiterungen sowie dem allgemeinen Marktanstieg.
Bitpanda sammelte insgesamt rund 530 Millionen Dollar in sechs Finanzierungsrunden ein. Die letzte grosse Runde im August 2021 brachte 263 Millionen Dollar ein und bewertete das Unternehmen mit 4.1 Milliarden Dollar. Zu den Investoren zählt Peter Thiels Valar Ventures, die als Lead-Investor fungierte. Weitere Kapitalgeber sind Alan Howard, REDO Ventures, LeadBlock Partners und Jump Capital. Die nun angestrebte Börsenbewertung von 4 bis 5 Milliarden Euro liegt somit nahe der letzten privaten Bewertung.
Strategische Neuausrichtung und Partnerschaften
Anfang 2026 vollzog Bitpanda einen Führungswechsel. Lukas Enzersdorfer-Konrad, zuvor stellvertretender CEO, übernahm die alleinige Geschäftsführung. Mitgründer Eric Demuth wechselte in die Position des Executive Chairman und Präsidenten des Verwaltungsrats der Schweizer Holding Bitpanda Group AG. In dieser Rolle konzentriert er sich auf die langfristige Strategie und globale Expansion. Mitgründer Paul Klanschek und Christian Trummer hatten sich bereits zuvor aus dem operativen Geschäft zurückgezogen.
Enzersdorfer-Konrad ist seit 2018 bei Bitpanda und prägte Strategie, Skalierung und regulatorische Grundlagen massgeblich mit. Der Führungswechsel erfolgte vor dem Hintergrund des geplanten Börsengangs und zielt auf eine klarere Verantwortungsstruktur ab. Parallel dazu baute Bitpanda strategische Partnerschaften aus. Seit 2023 fungiert die Deutsche Bank als europäische Hausbank für grenzüberschreitende Dienstleistungen in Österreich und Spanien.
Im Juli 2025 kündigten Bitpanda und die Deutsche Bank die gemeinsame Lancierung eines Krypto-Verwahrungsdienstes für 2026 an. Dieser wird auf die digitale Asset-Infrastruktur von Taurus zurückgreifen, einem Anbieter, an dem die Deutsche Bank beteiligt ist. Weitere Kooperationen bestehen mit der N26 Bank, die Bitpandas Handelsplattform in ihre App integrierte, und der österreichischen Raiffeisen Bank. Letztere ermöglicht den Krypto-Handel in 55 Filialen in Österreich.
Europäischer Kapitalmarkt als Testfall
Ein Bitpanda-Börsengang würde die europäischen Aktienmärkte stärken, die bislang Schwierigkeiten hatten, wachstumsstarke Unternehmen aus der Krypto-Branche anzuziehen. Frankfurt positioniert sich aktiv in diesem Segment. Die Deutsche Börse nahm Krypto-Dienstleistungen in ihre "Horizon 2026"-Strategie auf. Geplant ist der Ausbau der blockchain-basierten D7-Plattform für digitale Wertpapiere sowie eine Handelsplattform für digitale Assets, die ausschliesslich institutionellen Investoren offensteht.
Die öffentlichen Kapitalmärkte öffnen sich zunehmend für Krypto-Unternehmen. Im Juni 2025 ging Circle an der NYSE an den Markt, gefolgt von Bullish im August und Gemini im September. Für 2026 bereiten sich weitere Unternehmen wie Kraken, BitGo und Consensys auf Börsengänge vor. Bitpanda könnte in diesem Kontext das erste europäische Krypto-Unicorn werden, das den Schritt an die Börse wagt.
Allerdings bleiben Details wie die endgültige Bewertung und der genaue Zeitplan offen. Bloomberg nennt sogar das erste Quartal als mögliches Zeitfenster. Die Konsortialbanken Goldman Sachs, Citigroup und Deutsche Bank bringen erhebliche Kapitalmarkterfahrung mit. Die finale Entscheidung hängt jedoch von den Marktbedingungen und der regulatorischen Entwicklung ab. Ein erfolgreicher Börsengang würde nicht nur Bitpanda Zugang zu weiterem Kapital verschaffen, sondern auch ein Signal für den europäischen Krypto-Standort setzen.








