Bitcoin fiel im frühen asiatischen Handel bis auf 60'033 Dollar. Der Rückgang von knapp 14 Prozent an einem einzigen Tag markiert das niedrigste Niveau seit über einem Jahr. Seit Jahresbeginn 2026 hat die Kryptowährung folglich 26 Prozent verloren.
Vom Allzeithoch über 127'000 Dollar im Oktober 2025 beträgt der Verlust mittlerweile knapp 50 Prozent. Damit sind sämtliche Gewinne seit der Wahl von Präsident Donald Trump im November 2024 vollständig ausgelöscht. Bereits am 5. Februar durchbrach Bitcoin die 70'000-Dollar-Marke nach unten. Seit Mitternacht betrug der Intraday-Rückgang 10.5 Prozent - der stärkste Tageseinbruch seit dem Kollaps von FTX am 8. November 2022. In 24 Stunden fiel der Kurs um bis zu 15 Prozent und berührte kurzzeitig die 60'000-Dollar-Marke.

Milliarden-Liquidationen treffen gehebelte Positionen
Der Crash löste eine Kaskade von Zwangsliquidationen aus. Mehr als 2.58 Milliarden Dollar an gehebelten Krypto-Positionen gingen dabei verloren. Rund 82 Prozent dieser Liquidationen stammten von Long-Tradern, die auf steigende Kurse gewettet hatten. Insgesamt traf es über 530'000 Händler.
Bitcoin verbuchte mit über 1.3 Milliarden Dollar die grössten liquidierten Positionen. Bitcoin folgte mit etwa 570 Millionen Dollar, Solana mit knapp 190 Millionen. Die grösste Einzelliquidation ereignete sich auf der Plattform Hyperliquid - eine ETH-USD-Position im Wert von 222.65 Millionen Dollar.
Der gesamte Krypto-Markt verlor am 6. Februar rund 350 Milliarden Dollar an Marktwert. Über die vergangene Woche verschwand etwa eine halbe Billion Dollar. Und in nur 22 Tagen summierten sich die Verluste bei digitalen Vermögenswerten auf über 900 Milliarden Dollar.

ETF-Abflüsse beschleunigen den Abwärtsdruck
Die institutionelle Nachfrage hat sich grundlegend umgekehrt. US-Spot-Bitcoin-ETFs, die im Vorjahr noch 46'000 Bitcoin aufkauften, treten 2026 als Netto-Verkäufer auf. Von November 2025 bis Januar 2026 verlor der Spot-Bitcoin-ETF-Komplex nämlich etwa 6.2 Milliarden Dollar an Nettokapital. So entstand die längste anhaltende Abfluss-Serie seit dem Launch dieser Produkte.
Ein Blick auf die Einzeltage verdeutlicht das Ausmass. Am 29. Januar zogen Investoren fast 818 Millionen Dollar ab. Die Netto-Abflüsse am 4. Februar beliefen sich auf 545 Millionen Dollar. Vor dem Wochenende folgten weitere 510 Millionen, angeführt von BlackRocks IBIT. Über die vergangenen zwei Wochen summierten sich die Abflüsse laut CoinGlass schliesslich auf 2.8 Milliarden Dollar.
Bitcoin notiert nun deutlich unter dem Durchschnittspreis, den ETF-Investoren für ihre Bestände bezahlt haben. Dieser Umstand könnte weitere Verkäufe auslösen.
Strategy fällt unter Einstandspreis
Strategy, ehemals MicroStrategy und grösster Unternehmenshalter von Bitcoin, steht unter besonderem Druck. Die Aktie stürzte am Donnerstag um über 17 Prozent ab. Der Bitcoin-Preis lag zu diesem Zeitpunkt bereits unter Strategys durchschnittlichen Anschaffungskosten von rund 76'000 Dollar pro Coin.
Die MSTR-Aktie fiel auf 106 Dollar. Vom Allzeithoch bei 460 Dollar entspricht das einem Rückgang von über 75 Prozent. Gleichzeitig schrumpfte die Marktkapitalisierung von über 130 Milliarden auf 35 Milliarden Dollar. Das Unternehmen meldete ausserdem einen Verlust von 12 Milliarden Dollar im vierten Quartal, bedingt durch die Mark-to-Market-Bewertung seiner Bitcoin-Bestände.
Analysten sehen dennoch kein akutes Insolvenzrisiko. Strategy hält 712'647 unbelastete Bitcoin im Wert von über 45 Milliarden Dollar. Dem stehen Wandelanleihen von 8.2 Milliarden Dollar gegenüber. Kein einziger Bitcoin dient als Sicherheit, entsprechend besteht noch kein Risiko eines erzwungenen Verkaufs.

Krypto-Winter statt Korrektur
Der Einbruch beschränkt sich nicht auf Bitcoin. Ethereum liegt nahe 1'900 Dollar - ein Rückgang von 29 Prozent in sieben Tagen. Solana durchbrach am 4. Februar die psychologische 100-Dollar-Marke und stürzte auf unter 80 Dollar ab. Beide Altcoins führen die Liste der schlechtesten Performer unter den grossen Kryptowährungen in 2026 an. Daneben verlor auch Silber 14 Prozent an einem Tag und notiert fast 40 Prozent unter seinem Rekordhoch von einer Woche zuvor.
Technische Indikatoren stützen diese Einschätzung. Bitcoin durchbrach erstmals seit März 2022 seinen 365-Tage-Gleitenden-Durchschnitt. Sowohl der 50-Tage- als auch der 200-Tage-Durchschnitt fallen. Der Fear and Greed Index steht bei 14, was extremer Angst entspricht. Konkret ziehen sich Investoren aus risikoreicheren Vermögenswerten zurück und rotieren in traditionelle sichere Häfen wie Gold.
Fed-Politik und Makro-Umfeld als Belastung
Die Federal Reserve hielt ihren Leitzins im Januar 2026 bei 3.50 bis 3.75 Prozent, nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen in 2025. Die Inflation bleibt erhöht. Präsident Trumps Zollpolitik könnte die Güterinflation in den kommenden Monaten allerdings weiter nach oben drücken.
Für 2026 preisen die Märkte weiterhin etwa zwei Viertelpunkt-Senkungen ein. Morgan Stanley projiziert Schnitte im Juni und September. Fed-Vorsitzender Powells Amtszeit endet hingegen im Mai 2026, was zusätzliche Unsicherheit über die künftige Geldpolitik schafft. Daher bleibt der Spielraum für eine geldpolitische Lockerung begrenzt, solange die Inflationsdaten keine klare Entspannung zeigen.








