Portfoliodiversifizierung mit Krypto-Währungen

In Krisen führt die Flucht der Anleger oft in den sicheren Hafen «Bargeld». Dabei werden die meisten übrigen Anlageklassen in Mitleidenschaft gezogen. Auch Krypto erlebte in der Corona Krise einen Kurssturz. Mittelfristig wird der Portfoliodiversifikationseffekt überwiegen.

Mittelfristig führt die hohe unabhängige Komponente (Alpha) von Krypto jedoch zu einer tiefen Korrelation mit anderen Anlageklassen. Alpha und Beta sind zwei wichtige Messgrössen in der Portfoliotheorie und auch auf Krypto übertragbar. Das Alpha misst die projekt-spezifische und das Beta die marktabhängige Rendite. Krypto weist kurzfristig ein hohes Beta auf. Aufgrund des hohen Alphas ist längerfristig jedoch kaum eine Korrelation zu anderen Vermögensklassen ersichtlich (Chart 1).

Chart 1: Korrelationskoeffizient gegenüber Aktien und Gold, über 90 Tage, Source: Coinmetrics

Kurzfristiges „Risk Off“ für alle Assetklassen

In schockartigen Krisen ist die Korrelation vorerst besonders hoch, weil Anleger aufgrund der Unsicherheit den sicheren und bekannten Hafen «Bargeld» bevorzugen und alle anderen Anlageklassen abstossen. Margin Calls verstärken diesen Trend. Erst allmählich beginnt die Dispersion der Renditen. Dies war auch bei der Corona Krise der Fall (Chart 2). Seit Jahresbeginn weist der S&P500 einen Verlust von -14.8% auf, während Bitcoin trotz kurzfristigem Kurssturz im Plus notiert.

Chart 2: Performancevergleich, Source: Tradingview

Bitcoin ist mit Abstand der grösste Krypto Token mit einem Anteil der Marktkapitalisierung von 60%. Daneben gibt es eine ganze Reihe anderer Tokens, auch Altcoins (Alternative Coins) genannt. Es handelt sich um neue, jüngere Projekte und Geschäftsmodelle, die langsam aus den hinteren Reihen nach vorne wandern. Altcoins können das Rendite/Risiko Profil eines Portfolios weiter verbessern. Da es sich bei diesen Projekten jedoch um Start-ups handelt, ist eine gute Selektion zwingend. Wir gehen davon aus, dass bis zu 80% der Projekte über die Zeit verschwinden werden.

Altcoins als Salz in der Suppe der Portfoliodiversifizierung

Altcoins sind hauptsächlich Krypto-Währungen, die den Zugang zu einem Ökosystem ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise Smart Contract Plattformen wie Ethereum und dezentralisierten Applikationen, die darauf basieren. Vermehrt werden auch starke externe Partner wie Google, Amazon oder Microsoft in die Projekte einbezogen.  Auch Krypto-Währungen von Börsen sind interessant, da die Besitzer tiefere Handelsgebühren bezahlen. Eine limitierte Anzahl an Tokens führt zu Knappheit. Das Konzept ist vergleichbar mit dem früheren Börsenring. Da die Plätze limitiert waren, stieg der Preis für einen Platz in der ersten Reihe an der Nymex (Future Börse für Öl Handel) von $10’000 auf $10’000’000 zwischen 1971 und 2008 (Chart 3).

Chart 3: Preisentwicklung NYMEX Mitgliedschaft, Source: Twitter @zhusu

Fazit: Krypto hat sich kurzfristig nicht als sicherer Hafen in der Corona Krise erwiesen. Mittelfristig gibt es aber keine Korrelation zu traditionellen Anlagen wie Gold oder Aktien. Die Kunst liegt darin, qualitativ hochwertige Krypto Projekte zu identifizieren und ins Portfolio zu integrieren. Mit dieser Kombination aus niedriger Korrelation und hohem Alpha kann das Rendite/Risikoprofil eines Portfolios markant verbessert werden.

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Über den Autor

Désirée Müller

Désirée Müller hat als Portfolio Managerin auf Aktienfonds bei der Credit Suisse und bei GAM gearbeitet, bevor sie mit ihrem Geschäftspartner Reto Stiffler zwei Firmen im Crypto Bereich gründete: Die SwissRex AG konzentriert sich auf Crypto Research und die Crypto Consulting AG vertreibt einen aktiv verwalteten Crypto Fund.

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