Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der Bankenausschuss des US-Senats verschob die geplante Abstimmung über den CLARITY Act erneut, nachdem die Krypto-Börse Coinbase ihre Unterstützung Stunden vor der Sitzung zurückzog. CEO Brian Armstrong bezeichnete die überarbeitete 182-Seiten-Fassung als „schlechter als der Status quo“ und kritisierte insbesondere das Verbot renditetragender Stablecoins, eine geschwächte CFTC-Autorität sowie erweiterte staatliche Überwachungsbefugnisse. Über 40 Bankenverbände unter Führung der American Bankers Association hatten erfolgreich Druck ausgeübt, um Stablecoin-Zinszahlungen zu verbieten – mit der Begründung, dies könne 6.6 Billionen USD an Einlagen abziehen. Die Bankenlobby agiert dabei vor allem aus Eigeninteresse: US-Grossbanken zahlen Sparern durchschnittlich nur 0.39 Prozent Zinsen auf Einlagen, obwohl kurzfristige US-Staatsanleihen 3.89 Prozent abwerfen – eine Marge von über 3 Prozentpunkten, die direkt in die Bankbilanzen fliesst. Stablecoins mit Renditen von 4 bis 5 Prozent bedrohen dieses profitable Geschäftsmodell fundamental, weshalb die Branche regulatorische Hürden statt Wettbewerb bevorzugt. Der ursprünglich im Mai 2025 eingebrachte Gesetzesentwurf passierte das Repräsentantenhaus im Juli mit 294 zu 134 Stimmen, benötigt jedoch 60 Senatsstimmen und parteiübergreifende Mehrheiten. Beobachter befürchten wegen der kommenden Midterm-Wahlen im November weitere Verzögerungen der Vorlage – möglicherweise bis 2027.
Coinbase zieht Unterstützung für CLARITY Act zurück. Bankenlobby kämpft gegen Stablecoin-Renditen und der Senat verschiebt die Abstimmung.
US-Grossbanken halten sich bei Krypto-Angeboten weiterhin zurück
Trotz Bitcoin-ETF-Momentum und regulatorischer Fortschritte bieten führende US-Banken Privatkunden weiterhin keine breiten Krypto-Verwahrungs- oder Handelsdienste an. Eine Analyse der Top-25-Institute zeigt, dass Banken wie JPMorgan, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs den Zugang auf vermögende Institutionelle beschränken oder Krypto-Exposure mehrheitlich über strukturierte Produkte ermöglichen. PNC zählt zu den wenigen Ausnahmen mit aktiven Custody-Angeboten, während Citi, Fifth Third und State Street sich noch in Evaluationsphasen befinden. Die Verwahrung gilt aus Bankensicht als deutlich komplexer als ETF-Vertrieb, da sie operationelle Verantwortung und direkten Kontakt mit On-Chain-Assets bedeutet. Regulatorische Unsicherheit, Haftungsrisiken und Kapitalanforderungen bremsen das Engagement der Institute, nicht technische Limitationen. Der Krypto-Markt mit rund 3 Billionen USD Kapitalisierung bleibt verglichen mit Immobilien (400 Billionen USD), Anleihen (145 Billionen USD) oder Gold (30 Billionen USD) eine Nische. ETFs ermöglichen zwar regulierten Zugang, ersetzen jedoch keine Verwahrungs- oder Handelsinfrastruktur innerhalb der Banken selbst.
US-Banken und Krypto: Trotz ETF-Boom bleiben Custody und Trading selten und meist nur für vermögende Kunden verfügbar.
Ex-NYC-Bürgermeister Eric Adams lanciert fragwürdigen Memecoin
Der frühere New Yorker Bürgermeister Eric Adams stellte am 12. Januar auf dem Times Square den NYC-Token vor, einen Solana-basierten Memecoin, der eine Marktkapitalisierung von 540 Millionen USD erreichte und innerhalb von 30 Minuten um rund 80 Prozent auf 87 Millionen USD abstürzte. On-Chain-Analysen zeigten extreme Zentralisierung: Die zehn grössten Wallets kontrollierten 98.73 Prozent aller Token, davon lagen 70 Prozent in einer einzigen Adresse. Die Blockchain-Analysefirma Bubblemaps dokumentierte verdächtige Aktivitäten der Wallet 9Ty4M, die mit dem Token-Deployer verknüpft war und auf dem Markthöhepunkt rund 2.5 Millionen USDC abzog, bevor nach einem 60-prozentigen Preisverfall 1.5 Millionen zurückflossen – ein Muster klassischer Rug-Pull-Mechaniken. Adams hatte sich zuvor krypto-freundlich positioniert und seine ersten drei Bürgermeister-Gehälter in Bitcoin und Ethereum konvertiert, reduzierte sein öffentliches Engagement nach dem FTX-Kollaps 2022 jedoch deutlich. Sein Nachfolger Zohran Mamdani machte Adams‘ Blockchain-bezogene Dekrete direkt nach Amtsantritt rückgängig. Adams behauptete, der Token solle „Bildungsprogramme gegen Antisemitismus“ und Blockchain-Stipendien finanzieren, doch weder offizielle Partner noch Whitepaper oder transparente Governance-Strukturen wurden identifiziert.
Ex-Bürgermeister Eric Adams lancierte NYC-Token, der innert 30 Minuten um 80 Prozent abstürzte. Analysten dokumentieren Liquiditätsentzug.
Streit über die Zukunft: ZCash-Entwicklerteam tritt zurück
Das gesamte Entwicklerteam der Electric Coin Company (ECC), verantwortlich für die Privacy-Coin Zcash, trat Anfang Januar geschlossen zurück. CEO Josh Swihart sprach von einer „constructive dismissal“ durch das Bootstrap-Direktorium und warf den Vorstandsmitgliedern Zaki Manian, Christina Garman, Alan Fairless und Michelle Lai vor, nicht mehr mit der ursprünglichen Zcash-Mission übereinzustimmen. Die ECC entstand aus dem Zerocoin-Projekt, das 2016 mit 3 Millionen USD Startkapital die praktische Nutzung von zk-SNARKs für Privacy-Transaktionen ermöglichte. ZCash bietet optionale Privatsphäre über transparente und verschleierte Adressen, wobei nur 25 bis 30 Prozent der Transaktionen Privacy-Funktionen nutzen – im Gegensatz zu Monero, das Privatsphäre standardmässig durchsetzt. Der ZEC-Kurs fiel innerhalb von 24 Stunden um 16 Prozent, während Monero im Jahresverlauf um 50 Prozent auf ein neues Allzeithoch von über 700 USD kletterte. Das ausgeschiedene Team gründete ein unabhängiges Unternehmen und plant die Entwicklung von cashZ, einem Privacy-Wallet basierend auf dem ursprünglichen Zashi-Code. Das Zcash-Protokoll selbst bleibt trotz Führungskrise betriebsbereit.
Das gesamte Entwicklerteam der Electric Coin Company (ECC), dem Unternehmen hinter dem Privacy Coin Zcash (ZEC), ist zurückgetreten.
Community-Token statt Risikokapital?
Ausserdem: Die KI-Tool-Entwickler Geoffrey Huntley und Steve Yegge finanzieren ihre Arbeit über auf Solana lancierte Community-Tokens statt über traditionelle Risikokapitalgeber. Die Token RALPH und GAS wurden unabhängig auf der Plattform Bags.fm gestartet, ohne direkte Beteiligung der Entwickler. Huntley erzielte innerhalb von sieben Tagen 300’000 USD Einnahmen auf seinem Bankkonto, während Yegge noch 49’000 USD ausstehende Royalties auf Bags.fm hält. Huntleys „Ralph Wiggum Technique“ – eine Bash-Loop-Methode zur wiederholten Ausführung von Claude Code bis zur Aufgabenlösung – entwickelte er im Juli 2025 und wurde Ende 2025 von Anthropics Boris Cherny als offizielles Plugin formalisiert. Yegges am 1. Januar gestarteter Multi-Agenten-Orchestrator „Gas Town“ koordiniert bis zu 30 parallele KI-Agenten über das Go-basierte Beads-Framework nach drei gescheiterten Iterationen innerhalb eines Jahres. Bags.fm verteilt automatisch 1 Prozent des gesamten Handelsvolumens an Entwickler, wobei die Plattform innerhalb von 30 Tagen über 1 Milliarde USD Handelsvolumen prozessierte. Das Modell ermöglicht Entwicklern Einkommen ohne Eigenkapitalverzicht oder VC-Verpflichtungen, setzt jedoch etablierte Entwickler mit bestehender Community voraus – die meisten Tokens auf ähnlichen Plattformen werden wertlos.
Ralph und Gas Town: KI-Entwickler erhalten Community-Finanzierung über Solana-Memecoins statt Venture Capital.









