Goldman Sachs führte im vierten Quartal 2025 ein umfassendes De-Risking seiner Krypto-Positionen durch. Die Bitcoin-ETF-Bestände sanken um 39.4 Prozent auf 21.2 Millionen Shares. Die Ethereum-ETF-Bestände gingen um 27.2 Prozent auf 40.7 Millionen Shares zurück.
Gleichzeitig baute die Bank erstmals Positionen in XRP und Solana auf - insgesamt 261 Millionen USD, verteilt auf zehn verschiedene ETF-Produkte. Das geht aus dem 13F-Filing hervor, das Goldman am 10. Februar 2026 bei der SEC einreichte. Die gesamte Krypto-Exposition beträgt demnach 2.36 Milliarden USD, also 0.33 Prozent des Investmentportfolios.
De-Risking nach dem Bitcoin-Rückgang
Bitcoin fiel im vierten Quartal 2025 von rund 126'000 USD auf 88'000 USD - ein Minus von 30 Prozent. Goldman reagierte daraufhin mit deutlichen Positionskürzungen. Die Share-Zahlen zeigen das Ausmass klarer als Dollar-Werte. Von rund 35 Millionen Bitcoin-ETF-Shares schrumpfte der Bestand auf 21.2 Millionen. Bei Ethereum ging es von rund 55.9 Millionen auf 40.7 Millionen Shares.
Goldman Sachs Asset Management verwaltet diese Positionen primär für Kunden, nicht als Eigenhandel der Bank. Das Filing spiegelt somit die Risikobereitschaft institutioneller Investoren wider. Nach einem Kursrückgang von über 20 Prozent in einem Quartal ist Risikoaversion bei diesem Klientel erwartbar.
Hinzu kommen erhebliche Put-Optionen. Bis Anfang 2026 hielt Goldman Puts im Wert von über 600 Millionen USD, gegenüber lediglich 157 Millionen USD in Calls. Solche Strukturen sprechen für einen Cash-and-Carry-Trade. Die Bank sichert dabei Long-ETF-Positionen mit Derivaten ab und erzielt Arbitrage-Renditen bei minimiertem Preisrisiko. Es handelt sich folglich nicht um eine direktionale Wette auf steigende Kurse, sondern um strukturierte Produkte.
Erste Positionen in XRP und Solana
Neben dem De-Risking diversifizierte Goldman in zwei Krypto-Assets, die bis dahin nicht im Portfolio waren. In XRP-ETFs flossen insgesamt 153 Millionen USD, verteilt auf vier Anbieter. 21Shares erhielt 35.9 Millionen USD, Bitwise 39.8 Millionen, Franklin Templeton 38.4 Millionen und Grayscale 37.9 Millionen USD. Die annähernd gleiche Gewichtung über alle Emittenten fällt auf.
Bei Solana investierte Goldman 108 Millionen USD über sechs Produkte. Den grössten Anteil erhielt der Bitwise Solana Staking ETF mit 45 Millionen USD. Danach folgte der Grayscale Solana Trust ETF mit 35.7 Millionen USD. Kleinere Positionen entfielen auf Produkte von Fidelity, VanEck, 21Shares und Franklin Templeton.
Die neuen Positionen machen zusammen rund 11 Prozent der gesamten Krypto-Exposition aus. Bitcoins Anteil liegt bei 1.06 Milliarden USD, Ethereums bei rund 1 Milliarde USD. XRP und Solana bleiben daher klar untergewichtet. Allerdings signalisiert der Einstieg über zehn verschiedene ETFs eine systematische Allokation - nicht eine spontane Einzelentscheidung.
Vom Krypto-Skeptiker zum Multi-Asset-Investor
Goldmans Wandlung vollzog sich in weniger als zwei Jahren. Noch im April 2024 erklärte die Bank öffentlich, kein "Believer" in Krypto zu sein. Doch bereits im vierten Quartal 2024 begann Goldman mit dem Aufbau substanzieller Goldman Sachs Bitcoin ETF-Positionen. Im ersten Quartal 2025 hielt die Bank 30.8 Millionen IBIT-Shares im Wert von 1.4 Milliarden USD. Goldman war damit der grösste Halter von BlackRocks Bitcoin-ETF. Bis zum dritten Quartal 2025 wuchsen die Bitcoin-Bestände auf geschätzte 35 Millionen Shares, ergänzt durch eine grosse Ethereum-Position.
Das Q4-Rebalancing markiert nun den ersten Rückbau seit Beginn der Krypto-Allokation. Zeitgleich stellte Goldman eine strategische Weiche. Im Dezember 2025 kündigte die Bank die Übernahme des ETF-Anbieters Innovator für 2 Milliarden USD an. Der Deal soll im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Künftig könnte Goldman so eigene Krypto-ETFs lancieren, anstatt ausschliesslich Drittprodukte zu halten.
Institutionelle Positionierung unter Druck
Bitcoin ist seit dem September-Hoch von 126'000 USD bis Februar 2026 auf 67'000 USD gefallen. Das entspricht einem Rückgang von knapp 50 Prozent. Goldmans Q4-De-Risking erscheint vor diesem Hintergrund vorausschauend, auch wenn die 13F-Daten nur eine Momentaufnahme per 31. Dezember zeigen.
Anfang Januar 2026 veröffentlichten Goldman-Analysten einen Report, der Regulierungsreformen als grössten Katalysator für institutionelle Krypto-Adoption identifiziert. 35 Prozent der befragten Institutionen nannten regulatorische Unsicherheit als grösste Hürde. Konkret sieht Goldman Potenzial bei Tokenisierung und dezentraler Finanzinfrastruktur, sollte der regulatorische Rahmen 2026 klarer werden.
Goldman steht mit dieser Strategie nicht allein. Auch Morgan Stanley unterhält bedeutende Bitcoin-ETF-Positionen über das Asset Management. Traditionelle Banken nutzen regulierte ETF-Vehikel als bevorzugten Zugang zum Krypto-Markt. Insgesamt ist das Muster branchenweit konsistent - Exposition ja, jedoch über kontrollierte, regulierte Strukturen.







