Die vom DOJ veröffentlichten Epstein Files legen offen, wie Jeffrey Epstein ab 2014 gezielt in die Bitcoin-Infrastruktur investierte. E-Mails und Finanzdokumente belegen ein 500'000 USD Investment in Blockstream. Gleichzeitig flossen 525'000 USD an die MIT Digital Currency Initiative.
Diese übernahm nach dem Kollaps der Bitcoin Foundation drei zentrale Core-Entwickler. Epstein war zum Zeitpunkt dieser Investments bereits seit sechs Jahren registrierter Sexualstraftäter. Dennoch verlief sein Zugang zu Schlüsselfiguren der Bitcoin-Entwicklung über MIT Media Lab-Direktor Joi Ito und ein Netzwerk prominenter Tech-Investoren. Denn die Dokumente zeichnen ein Bild systematischer Positionierung in der Frühphase der Bitcoin-Governance.
Blockstream: 500'000 USD über Ito-Vehikel
Im März 2014 traf Blockstream-Mitgründer Austin Hill den verurteilten Sexualstraftäter erstmals in Vancouver. Einen Monat später arrangierten Hill und Adam Back ein Folgetreffen auf St. Thomas in den U.S. Virgin Islands. Back ist Erfinder von Hashcash und Blockstream-CEO. Im Mai bestätigte Epstein das Investment per E-Mail.
Das Geld floss über Kyara Investments III, eine zu gleichen Teilen mit Joi Ito geteilte Investmentfirma. Ursprünglich hatte Hill lediglich 50'000 USD vorgesehen. Nach Intervention von LinkedIn-Gründer Reid Hoffman erhöhte er die Allokation im Juli 2014 entsprechend auf 500'000 USD. Blockstreams gesamte Seed Round belief sich auf 21 Millionen USD.
Laut Adam Back verkaufte Kyara die Beteiligung "wenige Monate nach dem Investment aufgrund potentieller Interessenskonflikte und anderer Bedenken". Der exakte Zeitpunkt bleibt allerdings unklar. Itos Firma Digital Garage investierte nämlich 2016 und 2017 erneut in Blockstreams Series A (55 Millionen USD) sowie Series A2 (25 Millionen USD). Back erklärte dazu im Februar 2026:
„Blockstream hat weder direkt noch indirekt finanzielle Verbindungen zu Jeffrey Epstein oder seinem Nachlass.“ - Stellungnahme Adam Back
Aggressives Ecosystem-Building: Die Stellar-E-Mail
Eine E-Mail vom 31. Juli 2014 zeigt, wie Hill Blockstreams Investorenkreis als strategisches Instrument nutzte. Unter dem Betreff "Stellar isn't so Stellar" schrieb er konkret an Hoffman, Ito und Epstein:
„Ripple und Jeds neues [Projekt] Stellar sind schlecht für das Ökosystem, das wir aufbauen, und es schadet unserem Unternehmen, wenn Investoren auf zwei Pferde im selben Rennen setzen.“ - Austin Hill
Hill drohte somit, Investitionsallokationen zu kürzen oder zu entziehen. Investoren sollten sich zwischen Bitcoin-Infrastruktur und konkurrierenden Projekten entscheiden. Epstein sass als Adressat am Tisch strategischer Richtungsentscheidungen. David Schwartz, damals Ripples CTO, kommentierte die Haltung später so: "Das Traurige daran ist, dass wir wirklich alle in einem Boot sitzen und diese Einstellung allen in diesem Bereich schadet."
MIT Digital Currency Initiative: Epsteins Geld für Bitcoin Core
Zwischen 2002 und 2017 spendete Epstein insgesamt 850'000 USD an das MIT. Die grösste Einzelsumme: 525'000 USD flossen an die Digital Currency Initiative des MIT Media Lab. Am 15. April 2015 gründete Ito die DCI offiziell. Zehn Tage später, am 25. April, schrieb er an Epstein:
„Wir haben zur Finanzierung die Spendengelder genutzt, wodurch wir schnell handeln und diese Runde gewinnen konnten. Danke.“ - Joi Ito
Das Timing war kein Zufall. Wenige Wochen zuvor hatte die Bitcoin Foundation Bankrott angemeldet. Bis dahin finanzierte die Foundation die Bitcoin Core-Entwickler zentral. Ihr Kollaps schuf daher ein Machtvakuum in der Bitcoin-Governance. Genau in diese Lücke stiess die MIT DCI.
Drei der fünf Kern-Entwickler wechselten zur DCI. Sie kontrollierten damals alle Code-Änderungen am Bitcoin-Protokoll. Wladimir van der Laan kam als Lead Developer, Gavin Andresen als Chief Scientist und Cory Fields als Core Contributor. Ito beschrieb die Rekrutierung gegenüber Epstein folglich als "a big win for us". Van der Laan erklärte nach Bekanntwerden der Epstein Bitcoin Verbindung, er habe nichts davon gewusst. Die Finanzierung der DCI sei damals nicht transparent gewesen. Er betonte jedoch, die Förderung sei "with no strings attached whatsoever" erfolgt.
Der technische Kontext relativiert die Brisanz: Bitcoin Core ist vollständig Open Source. Jede Änderung durchläuft einen rigorosen Peer-Review-Prozess mit Tausenden unabhängiger Contributor. Einen Nachweis für direkte Einflussnahme Epsteins auf Code oder technische Entscheidungen gibt es entsprechend nicht.
Frühe Kontakte und Coinbase-Investment
Epsteins Interesse an Bitcoin reicht weiter zurück als die Blockstream-Investments. Bereits im Juni 2011 schrieb er an den Unternehmer Jason Calacanis: "Ich würde gerne mit den Bitcoin-Leuten in Kontakt treten." Am 12. Juni 2011 kontaktierte er dann Bitcoin-Entwickler Gavin Andresen direkt per E-Mail. Zwei Tage später hielt Andresen eine Bitcoin-Präsentation bei der CIA, eingeladen von deren Venture-Capital-Arm In-Q-Tel. Ob ein Telefonat zwischen Epstein und Andresen tatsächlich stattfand, bleibt hingegen offen.
Daneben investierte Epstein auch in die grösste US-Krypto-Börse. Im Dezember 2014 legte er über die IGO Company LLC drei Millionen USD in Coinbase an. Der Deal kam über Tether-Mitgründer Brock Pierce und Blockchain Capital zustande. Pierce bezeichnete ihn als "the most platinum-plated deal in the space." 2018 verkaufte Epstein die Hälfte seiner Anteile für rund 15 Millionen USD zurück. Das entsprach einem Fünffach-Return auf die halbe Position.
Netzwerk aus Tech-Eliten und offene Fragen
Epsteins Zugang zur Bitcoin-Szene war Teil eines breiteren Tech-Netzwerks. Im August 2015 lud Reid Hoffman etwa Ito und Epstein zu einem Dinner mit Elon Musk, Mark Zuckerberg und Peter Thiel ein. Epstein investierte 2016 ausserdem 40 Millionen USD in Thiels Valar Ventures. Schliesslich war er seit mindestens 1999 Mitglied der Edge Foundation, einem Netzwerk führender Wissenschaftler und Unternehmer.
Im September 2019, nach Epsteins Tod in Haft, trat Ito als MIT Media Lab-Direktor zurück. Er hatte Epstein systematisch als anonymen Spender verschleiert. Die jetzt veröffentlichten E-Mails zeigen indessen, dass Epsteins Rolle weit über anonyme Spenden hinausging. Er sass in strategischen E-Mail-Ketten und erhielt Informationen über Governance-Strukturen. Parallel investierte er in konkurrierende Bereiche der Krypto-Infrastruktur.
Insgesamt dokumentieren die Epstein Files so eine direkte Finanzierungslinie zwischen einem verurteilten Sexualstraftäter und der institutionellen Basis der Bitcoin-Entwicklung. Einen Nachweis für technische Einflussnahme auf das Protokoll liefern die Dokumente bislang nicht.








