Der weltgrösste Derivate-Marktplatz prüft die Emission eines proprietären Tokens. CEO Terry Duffy kündigte während des Q4 2025 Earnings Calls an, dass CME Group einen eigenen Coin untersucht. Dieser soll für Collateral und Margin im Derivatehandel dienen.
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 105 Milliarden USD würde das Unternehmen damit in direkte Konkurrenz zu JPMorgans kürzlich lanciertem Deposit Token treten. Der Token soll auf einem dezentralen Netzwerk laufen, das auch andere Branchenteilnehmer nutzen können. Konkret hat CME noch nicht spezifiziert, ob der Coin als Stablecoin, Settlement-Token oder in einer anderen Struktur funktionieren wird. Parallel dazu plant das Unternehmen, noch in diesem Jahr gemeinsam mit Google Cloud eine separate "Tokenized Cash"-Lösung einzuführen.
"Wir schauen uns verschiedene Initiativen mit unserem eigenen Coin an, den wir potenziell auf ein dezentrales Netzwerk bringen könnten, damit andere Branchenteilnehmer ihn nutzen können" - Terry Duffy, CEO CME
Zwei separate Token-Initiativen
CME verfolgt derzeit zwei unterschiedliche Tokenisierungs-Projekte. Die erste Initiative basiert auf einer Partnerschaft mit Google Cloud, angekündigt im März 2025. Sie nutzt den Google Cloud Universal Ledger (GCUL) - eine programmierbare, verteilte Ledger-Lösung auf einem privaten, genehmigungspflichtigen Netzwerk. Phase 1 dieser Integration schloss CME erfolgreich ab. Seitdem laufen direkte Tests mit Marktakteuren, und eine Depotbank erleichtert die Transaktionen.
Die zweite Initiative ist der proprietäre "CME Coin", der sich noch in der Explorationsphase befindet. Anders als die Google-Lösung soll dieser Token auf einem dezentralen Netzwerk operieren. Welche Blockchain-Plattform dafür in Frage kommt, liess Duffy offen. Beide Projekte zielen allerdings auf denselben Anwendungsfall: effizienteres Collateral-Management im Derivatehandel.
Regulatorisches Fenster öffnet sich
Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) lancierte im Dezember 2025 das Digital Assets Pilot Program. Es erlaubt Bitcoin, Ethereum und USDC als Collateral für Derivate-Positionen bei Futures Commission Merchants. Initial läuft das Programm über drei Monate für diese drei Assets. Die CFTC gab ausserdem Guidance heraus, die tokenisierte Real-World-Assets (RWAs) wie Treasuries, Corporate Bonds und Money Market Funds als Collateral zulässt.
Der Vorteil tokenisierter Lösungen liegt in der Effizienz. Instant Settlement und 24/7-Verfügbarkeit ersetzen die traditionellen T+1 oder T+2 Settlement-Prozesse. Bis August 2026 plant die CFTC, technische Regeländerungen für Collateral, Margin, Clearing und Settlement mit Blockchain-Technologie fertigzustellen. CME positioniert sich somit in einem sich öffnenden regulatorischen Umfeld.
JPMorgan als Industriepräzedenzfall
CME ist nicht das erste Finanzinstitut, das einen eigenen Token lanciert. JPMorgan führte im November 2025 den JPM Coin mit dem Ticker JPMD für institutionelle Kunden ein. Dieser "Deposit Token" läuft auf Base, der Ethereum Layer 2 von Coinbase. Er ermöglicht Near-Instant-Settlement rund um die Uhr. Zu den ersten Kunden zählen B2C2, Coinbase und Mastercard.
Der Unterschied zu klassischen Stablecoins: Deposit Tokens sind digitale Ansprüche auf bestehende Bankeinlagen und können zinsbringend sein. Duffy verwies während des Earnings Calls explizit auf JPMorgan als Vergleich. Systemrelevante Finanzinstitutionen bieten aus seiner Sicht nämlich grössere Sicherheit als kleinere Emittenten. CME betonte gleichzeitig die Risikokontrolle. Das Unternehmen werde folglich keine Tokens akzeptieren, über die es keine ausreichende Kontrolle habe.
"Wenn Sie mir einen Token von einer systemrelevanten Finanzinstitution geben würden, wäre ich wahrscheinlich komfortabler als vielleicht bei einer Bank der dritten oder vierten Liga, die versucht, einen Token für Margin auszugeben" - Terry Duffy
Rekord-Krypto-Volumen bei CME
Das Timing der Token-Initiative fällt mit CMEs stärkstem Krypto-Jahr seit dem Markteintritt 2017 zusammen. Das durchschnittliche Tagesvolumen bei Krypto-Derivaten erreichte 278'000 Kontrakte. Das entspricht rund 12 Milliarden USD - ein Anstieg von 139 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt erreichte das Volumen 2025 fast 3 Billionen USD in notionaler Wertigkeit.
Micro-Ether-Futures führten mit 144'000 Kontrakten täglich. Danach folgten Micro-Bitcoin-Futures mit 75'000 Kontrakten, während Standard-Ether-Futures auf 19'000 Kontrakte pro Tag kamen. Im Q4 2025 stieg das Handelsvolumen um 92 Prozent auf über 13 Milliarden USD durchschnittliches Tagesvolumen. Diese Rekorde entstanden trotz Kursrückgängen bei Bitcoin und Ethereum.
CME überholte 2025 laut Daten von CoinGlass sogar Binance im institutionellen Krypto-Derivate-Handel. Über alle Assetklassen hinweg verzeichnete CME ein Rekord-Tagesvolumen von 27.4 Millionen Kontrakten. Das entspricht einem Anstieg von 7.5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Q4-Umsatz lag bei 1.65 Milliarden USD, der bereinigte Gewinn pro Aktie bei 2.77 USD.
Nächste Schritte im Krypto-Bereich
CME plant für den 9. Februar 2026 den Launch von Cardano-, Chainlink- und Stellar-Futures, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigung. Bei Cardano umfassen die Kontrakte 100'000 Token (Standard) respektive 10'000 Token (Micro). Chainlink-Futures beinhalten 5'000 Token (Standard) sowie 250 Token (Micro). Stellar-Kontrakte decken hingegen 250'000 Lumens (Standard) und 12'500 Lumens (Micro) ab.
Für das zweite Quartal 2026 ist der 24/7-Handel für alle Krypto-Futures und Optionen geplant. Duffy begründete den Schritt damit, dass Kunden ihre Exposition gegenüber den Cash-Märkten absichern wollen. Diese handeln nämlich auch am Wochenende. Die Ausrollung der Tokenized Cash-Lösung mit Google ist ebenfalls für 2026 angesetzt. Der proprietäre CME Coin verbleibt vorerst in der Explorationsphase.








