Der US-amerikanische Krypto-Verwahrer BitGo hat seinen Börsengang erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen platzierte seine Aktien zu 18 Dollar pro Stück und sammelte damit 212.8 Millionen Dollar ein. Die Bewertung liegt bei rund 2.1 Milliarden Dollar.
BitGo notiert ab sofort unter dem Kürzel "BTGO" an der New York Stock Exchange. Damit ist das Unternehmen der erste Krypto-Verwahrer, der den Schritt an eine amerikanische Börse wagt. Der finale Preis lag über der ursprünglichen Spanne von 15 bis 17 Dollar. Denn die Nachfrage überstieg das Angebot um ein Vielfaches.
Custody-Geschäft als Fundament
BitGo wurde 2013 von Mike Belshe gegründet und hat sich auf die sichere Verwahrung digitaler Vermögenswerte für institutionelle Kunden spezialisiert. Die Plattform unterstützt mehr als 1'550 verschiedene Krypto-Assets mit einem Gesamtwert von 104 Milliarden Dollar. Zum Kundenstamm zählen Börsen, Vermögensverwalter und Finanzinstitute aus über 50 Ländern.
Das Geschäftsmodell unterscheidet sich deutlich von Krypto-Börsen wie Coinbase. BitGo verdient primär an Verwahrungsgebühren, Staking-Dienstleistungen und Infrastruktur-Lösungen. Die Einnahmen aus Abonnements und Dienstleistungen stiegen im vergangenen Jahr um 56 Prozent auf 120.7 Millionen Dollar. Zusätzlich generiert das Unternehmen Umsätze aus dem Handel, wobei diese stärker schwanken.
Die Aktionärsstruktur nach dem BitGo IPO verdient besondere Beachtung: CEO Belshe kontrolliert rund 55 Prozent der Stimmrechte durch eine Dual-Class-Aktienstruktur. Sein wirtschaftlicher Anteil liegt jedoch nur bei etwa 8 Prozent. BitGo gilt damit unter den NYSE-Regeln als "controlled company".
Regulatorischer Rückenwind durch OCC-Lizenz
Im Dezember 2025 erhielt BitGo die Genehmigung des Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Die Behörde erlaubte dem Unternehmen, seine staatlich regulierte Treuhandgesellschaft in eine nationale Bank umzuwandeln. Die neue Einheit firmiert als BitGo Bank & Trust, National Association. Diese Lizenz erlaubt es dem Unternehmen, Verwahrungsdienstleistungen in allen 50 US-Bundesstaaten anzubieten, ohne separate staatliche Genehmigungen einholen zu müssen.
Die OCC-Zulassung kam zeitgleich mit ähnlichen Genehmigungen für Circle, Paxos und Ripple. Allerdings dürfen diese nationalen Treuhandbanken keine Einlagen annehmen. Sie können weder Giro- noch Sparkonten führen und haben keinen Zugang zur FDIC-Einlagensicherung.
Von gescheiterter Übernahme zum eigenständigen Börsengang
Der Weg an die Börse verlief nicht geradlinig. Im Jahr 2021 hatte Galaxy Digital angekündigt, BitGo für 1.2 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Der Deal scheiterte jedoch im August 2022. Galaxy begründete den Rückzug mit fehlenden Finanzberichten, BitGo sah hingegen den Bärenmarkt als wahren Grund. Der daraus resultierende Rechtsstreit ist weiterhin anhängig.
BitGo entschied sich daraufhin für einen eigenständigen Wachstumskurs. Im August 2023 sammelte das Unternehmen 100 Millionen Dollar in einer Series-C-Finanzierungsrunde ein. Die Bewertung lag damals bei 1.75 Milliarden Dollar. Zu den Investoren zählen Goldman Sachs, DRW, Galaxy Digital Ventures, Craft Ventures und Redpoint Ventures. Goldman Sachs fungierte beim BitGo IPO zusammen mit Citigroup als Lead Underwriter.
Und das Unternehmen erweiterte sein Geschäft über die reine Verwahrung hinaus. Seit März 2025 agiert BitGo als Custodian und Infrastruktur-Anbieter für USD1, den Stablecoin von World Liberty Financial. Diese Verbindung zum Trump-nahen DeFi-Projekt brachte BitGo zusätzliche Aufmerksamkeit, birgt jedoch auch politische Risiken.
Ausblick auf den Krypto-Börsenmarkt
Der erfolgreiche Börsengang von BitGo könnte weitere IPOs im Krypto-Sektor anstossen. Circle, der Emittent des USDC-Stablecoins, ist im vergangenen Jahr bereits an die NYSE gegangen. Auch die Krypto-Börse Kraken wird immer wieder als IPO-Kandidat genannt.
Für BitGo bietet der Börsengang frisches Kapital für mögliche Übernahmen und den Ausbau des internationalen Geschäfts. Die Kombination aus OCC-Lizenz, diversifizierter Einnahmenbasis und institutionellem Kundenstamm unterscheidet das Unternehmen von spekulativeren Krypto-Firmen. Ob sich dieser Ansatz in einem volatilen Marktumfeld auszahlt, werden die kommenden Quartale zeigen.







