Bitcoin rutschte am Montag im asiatischen Handel unter 92'000 USD und verzeichnete innerhalb von 24 Stunden einen Rückgang von 3.6 Prozent. Die Korrektur erfolgte, nachdem US-Präsident Donald Trump am Wochenende Zölle gegen acht europäische Länder angekündigt hatte.
Laut der Analyseplattform Coinglass löschte der Markt innerhalb von 60 Minuten Long-Positionen im Wert von 525 Millionen USD aus. Die Ankündigung vom Samstag sieht vor, dass die USA ab dem 1. Februar Zölle von 10 Prozent auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden und Finnland erheben. Bis zum 1. Juni steigen die Zölle auf 25 Prozent, sofern keine Einigung über den "Kauf Grönlands" erzielt wird. Dabei verzeichneten andere Krypto-Assets noch stärkere Verluste: Ethereum fiel um 4.9 Prozent, Solana um 8.6 Prozent.
Risikoaversion dominiert die Märkte
Die Zolldrohungen trafen Bitcoin zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Kryptowährung hatte erst am 14. Januar mit 97'694 USD ein Jahreshoch erreicht, bevor sie sich über das Wochenende bei rund 95'000 USD stabilisierte. Der plötzliche Rückgang erfolgte parallel zu Verlusten bei US-Aktienindizes, während Rohstoffe wie Gold und Silber neue Rekordhöhen erreichten.
Liquidationen treten auf, wenn gehebelte Trader ihre Margin-Anforderungen nicht mehr erfüllen können. Dies führt zur automatischen Schliessung von Positionen, was Kursbewegungen in Phasen dünner Liquidität verstärken kann. Entsprechend betrafen die 525 Millionen USD an Liquidationen hauptsächlich Long-Positionen von Tradern, die auf weiter steigende Kurse gesetzt hatten.
EU bereitet Gegenmassnahmen vor
Die Europäische Union bewegt sich auf zwei Ebenen: Während diplomatische Kanäle nach Washington intensiviert werden, bereiten EU-Botschafter gleichzeitig Vergeltungsmassnahmen vor. Bei einem Notfalltreffen am Sonntag in Brüssel einigten sich die Vertreter auf ein Paket von Gegenzöllen im Wert von 93 Milliarden Euro (107.7 Milliarden USD) auf US-Importe. Für Donnerstag ist ein Notfallgipfel angesetzt.
Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen stellte klar: "Europa wird sich nicht erpressen lassen." Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Zolldrohungen als "inakzeptabel" und fügte hinzu: "Keine Einschüchterung oder Drohung wird uns beeinflussen." Selbst die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die traditionell gute Beziehungen zu Trump pflegt, nannte den Schritt einen "Fehler".
Acht europäische Länder veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie warnten, dass "Zolldrohungen die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale riskieren". Der oberste Gerichtshof der USA wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob Trump den International Emergency Economic Powers Act nutzen darf, um Zölle zu erheben. Die Richter äusserten sich jedoch skeptisch bezüglich der Nutzung dieses Gesetzes durch die Regierung.
Historische Parallelen zu früheren Handelskonflikten
Bitcoin hat in der Vergangenheit bereits auf Handelskonflikte reagiert. Im April 2025 führten die sogenannten "Liberation Day"-Zölle zu einem massiven Liquidationsevent. Im Oktober 2025 fiel der BTC-Kurs signifikant, nachdem die USA 100-Prozent-Zölle auf chinesische Importe erhoben. Diese Muster deuten darauf hin, dass die Kryptowährung besonders anfällig für plötzliche Handelsschocks ist.
Analysten sind uneinig über die langfristigen Auswirkungen. Die pessimistische Sicht: Scharfe Zollerhöhungen führen oft zu "Risk-Off"-Stimmung, die riskante Assets wie Kryptowährungen belastet. Hingegen argumentiert die optimistische Perspektive, dass hohe Zölle inflationär wirken. Denn wenn die Kaufkraft von Fiatwährungen wie Euro und Dollar sinkt, könnte dies institutionelle Nachfrage nach Bitcoin als Absicherung gegen Währungsabwertung ankurbeln.
Ausblick auf volatile Wochen
Kurzfristig erwarten Analysten weitere Volatilität. Falls EU-Gegenzölle aktiviert werden, könnte Liquidität BTC unter 90'000 USD drücken. Somit dürfte die Handelsspanne zwischen 94'000 und 97'000 USD, in der Bitcoin zuletzt oszillierte, unterschritten werden.
Die institutionellen Prognosen für 2026 divergieren stark. JPMorgan projektiert 170'000 USD, Standard Chartered nennt 150'000 USD als Ziel. Tom Lee von Fundstrat erwartet 150'000 bis 200'000 USD bis Anfang 2026, mit einem Anstieg auf 250'000 USD bis Jahresende. Jedoch setzen diese Schätzungen voraus, dass sich der Handelskonflikt nicht weiter verschärft.








