Bitcoin erreichte erstmals seit Wochen wieder die Marke von 93'000 Dollar. Der Anstieg folgte auf die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte am 3. Januar. Short-Positionen im Wert von rund 133 Millionen Dollar wurden liquidiert.
Die US-Regierung führte am Samstagmorgen eine Militäraktion gegen Venezuela durch, bei der Maduro und seine Frau Cilia Flores festgenommen und aus dem Land gebracht wurden. US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi gab bekannt, dass das Paar im Southern District of New York wegen Drogenhandels und Waffendelikten angeklagt wurde. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez übernahm vorübergehend die Präsidentschaftsbefugnisse.
Marktreaktion und institutionelle Zuflüsse
Bitcoin reagierte zunächst mit einem kurzen Rückgang auf die Nachrichten aus Venezuela. Der Preis fiel um 0.5 Prozent auf 89'300 Dollar, als am frühen Samstagmorgen Berichte über die Militäroperation bekannt wurden. Innerhalb weniger Stunden erholte sich die Kryptowährung jedoch und überschritt die 90'000-Dollar-Marke. Am Sonntag setzte sich die Rallye fort und trieb Bitcoin über 93'000 Dollar.
Die Liquidationsdaten zeigten ein deutliches Übergewicht bei Short-Positionen. Laut Coinglass wurden in den letzten 24 Stunden Positionen im Gesamtwert von 180 Millionen Dollar aufgelöst, davon 133 Millionen Dollar in Short-Positionen gegenüber nur 47 Millionen Dollar in Long-Positionen. Diese Schieflage deutet darauf hin, dass der Kursanstieg unter anderem durch Short-Squeezes getrieben wurde.
Institutionelle Investoren kehrten zum Jahresbeginn in den Markt zurück. Am ersten Handelstag 2026 verzeichneten Bitcoin-ETFs Nettozuflüsse von 471 Millionen Dollar. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) führte mit 287 Millionen Dollar, gefolgt von Fidelitys FBTC mit 88 Millionen Dollar. Die Zuflüsse markierten eine deutliche Trendwende nach kombinierten Abflüssen von 4.57 Milliarden Dollar in den Monaten November und Dezember 2025.
Venezuelas mutmassliche Bitcoin-Reserven im Fokus
Die Festnahme Maduros rückte Spekulationen über geheime venezolanische Bitcoin-Bestände in den Mittelpunkt. Geheimdienstquellen zufolge könnte Venezuela zwischen 600'000 und 660'000 BTC kontrollieren – im aktuellen Wert zwischen 60 und 67 Milliarden Dollar. Dies würde das Land zu einem der grössten Bitcoin-Halter weltweit machen und die offiziell deklarierten Bestände von 240 BTC bei weitem übertreffen.
Der Aufbau dieser "Schattenreserve" erfolgte laut Berichten durch mehrere Kanäle. Ab 2018 tauschte das Maduro-Regime rund zwei Milliarden Dollar in Gold gegen Bitcoin, häufig zu Preisen um 5'000 Dollar pro Coin. Dies allein hätte bis zu 400'000 BTC generieren können. Zusätzlich forderte die Regierung ab 2023 von der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA, Rohölexporte in USDT abzuwickeln, wie CVJ.CH berichtete. Diese Stablecoins könnten anschliessend in Bitcoin konvertiert geworden sein, um Kontosperrungen zu vermeiden und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.
Alex Saab, ein kolumbianischer Geschäftsmann mit engen Verbindungen zum Maduro-Regime, gilt als Architekt dieser Akkumulationsstrategie. Berichten zufolge arbeitete Saab seit 2016 als Informant für die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA, was bedeutet, dass Washington den Aufbau dieser Strukturen in Echtzeit beobachtet haben könnte. Ölgeschäfte zwischen 2023 und 2025 sollen weitere 10 bis 15 Milliarden Dollar eingebracht haben, während beschlagnahmte Mining-Einrichtungen zusätzliche 500 Millionen Dollar beisteuerten.
Geopolitische Implikationen für den Krypto-Markt
Die potenzielle Entdeckung einer venezolanischen Bitcoin-Reserve wirft Fragen über mögliche Marktauswirkungen auf. Venezuela besitzt die grössten nachgewiesenen Ölreserven der Welt mit einem geschätzten Wert von 17 Billionen Dollar. Ein Regimewechsel hin zu einer pro-westlichen Regierung könnte den globalen Ölmarkt transformieren und gleichzeitig Auswirkungen auf Bitcoin-Mining-Operationen haben.
Analysten ziehen Parallelen zum Jahr 2024, als der deutsche Bundesstaat Sachsen 50'000 BTC verkaufte und damit eine Marktkorrektur von 15 bis 20 Prozent auslöste. Die mutmasslichen venezolanischen Bestände sind zwölfmal grösser. Eine Beschlagnahmung und Einfrierung würde etwa drei Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots dauerhaft vom Markt nehmen – ein Ereignis mit potenziell bullischen Auswirkungen durch die permanente Angebotsverknappung.
Die Marktstruktur zeigt jedoch bereits eine Bereinigung. Das Open Interest bei Bitcoin-Futures fiel von 94.1 Milliarden Dollar Anfang Oktober auf 54.6 Milliarden Dollar zu Jahresbeginn 2026 – ein Rückgang um mehr als 40 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass Leverage abgebaut wurde und der Markt stabiler positioniert ist als in den Vormonaten.
Technischer Ausblick und Widerstände
Bitcoin steht vor kritischen Widerstandsniveaus. Die 95'000-Dollar-Marke gilt als unmittelbare Hürde. Ein Durchbruch würde den Weg Richtung 100'000 Dollar ebnen, da in diesem Bereich nur wenige Ordercluster existieren. Die Liquidationsdaten zeigen eine Konzentration von Short-Positionen zwischen 91'000 und 96'400 Dollar, was bei weiterer Aufwärtsbewegung eine Liquidationskaskade auslösen könnte.

Die kumulativen Handelsvolumina der US-Krypto-ETFs überschritten am 2. Januar die Schwelle von zwei Billionen Dollar – weniger als zwei Jahre nach dem Launch der ersten Bitcoin-ETFs im Januar 2024. Das verwaltete Vermögen der Bitcoin-ETFs beläuft sich aktuell auf 117 Milliarden Dollar, was 6.53 Prozent der Bitcoin-Marktkapitalisierung entspricht. Die starken Zuflüsse zu Jahresbeginn signalisieren eine Rückkehr institutioneller Nachfrage nach der ausgeprägten Abflussphase im vierten Quartal 2025.







