Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) lässt HSBC Holdings und Standard Chartered als erste lizenzierte Stablecoin-Emittenten in Hongkong zu. Neben den beiden Grossbanken erhält auch die Krypto-Börse OSL eine Lizenz. Insgesamt gingen 36 formelle Bewerbungen ein. Davon bewilligt die Behörde zunächst nur drei bis vier.
Die offizielle Ankündigung folgt frühestens am 24. März, meinen Insider gegenüber Bloomberg. Damit positioniert sich Hongkong als eine der ersten Jurisdiktionen weltweit, die Banken zur Ausgabe von Stablecoins ermächtigt. So entsteht neben den USA mit dem GENIUS Act und der EU mit MiCA ein dritter grosser Regulierungsstandort für digitale Zahlungsmittel.
Banken statt Krypto-Firmen: HKMAs Strategie der Systemstabilität
Die HKMA bevorzugt laut Branchenquellen bankengeführte Emittenten. Der Grund: starke Kapitalisierung und geringeres Systemrisiko. HSBC ist Hongkongs grösste Bank gemessen an der Bilanzsumme. Dass sie nun in der ersten Runde berücksichtigt wird, überrascht Marktbeobachter. Denn HSBC nahm im Gegensatz zu Standard Chartered nicht am HKMA-Sandbox-Programm von 2024 teil.
Standard Chartered verfolgt einen anderen Weg. Die Hongkonger Einheit der Bank gründete mit Animoca Brands und Hong Kong Telecommunications (HKT) ein Joint Venture namens Anchorpoint Financial. Dieses Konsortium plant die Ausgabe eines Hongkong-Dollar-basierten Stablecoins. Standard Chartered gehörte bereits 2024 zu den Sandbox-Teilnehmern, zusammen mit JINGDONG Coinlink Technology (einer JD.com-Tochter) und RD InnoTech.
Finanzminister Paul Chan stellte im Februar klar, dass die erste Runde bewusst klein ausfalle:
"Eine kleine Anzahl [von Lizenzen wird genehmigt], um sicherzustellen, dass Stablecoins echte Anwendungsfälle haben und Emittenten nachhaltige Geschäftsmodelle mit starker Regulierungskonformität aufrechterhalten." - Paul Chan, Finanzminister Hongkong
Strenge Auflagen unter der Stablecoins Ordinance
Das regulatorische Fundament bildet die Stablecoins Ordinance. Der Hongkonger Legislativrat verabschiedete das Gesetz am 21. Mai 2025. In Kraft trat es am 1. August 2025. Somit gehört Hongkong neben den USA und der EU zu den ersten grossen Finanzzentren mit einem spezifischen Stablecoin-Regelwerk.
Die Anforderungen fallen streng aus. Emittenten müssen ein eingezahltes Aktienkapital von mindestens 25 Mio. Hongkong-Dollar vorweisen. Banken als autorisierte Institute sind allerdings davon ausgenommen. Gleichzeitig gilt eine vollständige Deckungspflicht: Der Marktwert der Reserven muss jederzeit dem Nennwert aller im Umlauf befindlichen Stablecoins entsprechen. Die Reserven dürfen ausschliesslich aus High Quality Liquid Assets (HQLA) bestehen. Hongkong zählt zu den ersten Jurisdiktionen mit dieser strikten Vorgabe.
Zusätzlich schreibt das Gesetz eine Rückzahlungspflicht zum Nennwert innerhalb eines Geschäftstags (T+1) vor. Emittenten müssen deshalb jederzeit über ausreichend Liquidität verfügen. Die Bewerbungsfrist lief am 30. September 2025 ab.
Hongkongs Griff nach dem Digital-Asset-Hub
Die Stablecoin-Lizenzen fügen sich in eine breitere Strategie ein. Seit 2022 verfolgt Hongkong eine Serie regulatorischer Massnahmen zur Positionierung als globales Krypto-Zentrum. Neben dem Stablecoin-Regime führte die Stadt auch ein Lizenzsystem für Krypto-Börsen (VASP) ein.
Lizenzierte Stablecoins sollen auf lokalen Börsen eine Vorzugsbehandlung erhalten. De facto entsteht so eine regulatorische Whitelist für inländische Abwicklungen. Der politische Ansatz betont reale Nutzungsszenarien: Zahlungen, Handelsfinanzierung und tokenisierte Vermögenswerte. Die Sandbox-Szenarien von 2024 umfassten demnach E-Commerce-Zahlungen, grenzüberschreitende Handelsabwicklungen und tokenisierten Vermögenshandel.
Globaler Wettlauf um Stablecoin-Regulierung
Hongkongs Vorstoss fällt in eine Phase regulatorischer Konvergenz. Die USA unterzeichneten im Juli 2025 den GENIUS Act, der eine 1:1-Deckung mit liquiden Mitteln vorschreibt. Die EU setzt seit Dezember 2024 auf das MiCA-Framework. Dieses klassifiziert Stablecoins in Asset-Referenced Tokens und E-Money Tokens. Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate und Japan verlangen ebenfalls vollständige Reservedeckung und lizenzierte Emittenten.
Der globale Stablecoin-Markt wächst inzwischen rasant. Die Gesamtkapitalisierung lag im Januar 2026 bei rund 309 Mrd. USD. Das Transfervolumen erreichte 2025 etwa 33 Bio. USD. Citi prognostiziert im Basisszenario eine Marktkapitalisierung von 1.9 Bio. USD bis 2030, im optimistischen Fall sogar 4 Bio. USD. Weltweit halten über 232 Mio. Nutzer Stablecoins.
Dabei drängen auch andere Grossbanken drängen in den Markt. JPMorgan erweiterte seinen JPM Coin auf öffentliche Blockchains. Societe Generale lancierte den EUR CoinVertible. In den USA prüft ein Bankenkonsortium aus PNC, Citi und Wells Fargo einen gemeinsamen Stablecoin. Standard Chartereds CEO Bill Winters wiederum bezeichnete die Initiative seiner Bank als Grundlage für eine neue digitale Handelsabwicklung.








